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Neue Satzungsleistungen der Krankenkassen: TK prescht vor

Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz gibt den Krankenkassen neue Möglichkeiten, den Versicherten Mehrleistungen anzubieten. Das trifft nicht nur auf Zustimmung. Derweil positioniert sich die Techniker Krankenkasse (TK) mit Naturheilverfahren.

Die Beiträge sind vereinheitlicht und der Zusatzbeitrag ist derzeit bei solider Fianzlage kaum ein Thema. Wie also unterscheiden sich die Krankenkassen voneinander?

Eine Vorlage gab der Gesetzgeber: Seit 1.1.2012 wurde der Wettbewerbsspielraum deutlich erweitert, denn Krankenkassen dürfen in ihrer Satzung regeln, dass mehr Leistungen als bisher übernommen werden können.

 

Naturheilmittel werden bei der TK erstattet

Eine der ersten Kassen mit neuen Angeboten ist die Techniker Krankenkasse (TK). Sie erstattet ihren Versicherten bis zu 100 EUR im Jahr für homöopathische, anthroposophische und andere pflanzliche Arzneimittel. Einziger Haken: Es muss sich um apothekenpflichtige Medikamente handeln - und die gibt’s nur auf Rezept. Um an das grüne (Privat-)Rezept zu kommen, ist in jedem Quartal die Praxisgebühr fällig. Das schmälert ungünstigsten Fall den Erstattungsbetrag jährlich um bis zu 40 EUR.

Das Verfahren ist auch recht bürokratisch: Rezept und Quittung der Apotheke müssen vom Versicherten bei der TK vorgelegt werden, der zustehende Betrag wird dann zurückerstattet. Aber immerhin: die Versicherten bekommen nun in dem genannten Rahmen auch die Kosten etwa für Erkältungsmittel zurück. Die Krankenkassen dürfen allerdings nur solche Arzneimittel erstatten, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) nicht ausgeschlossen hat. Versicherte bekommen zum Beispiel für bestimmte Appetitzügler oder Haarwuchsmittel nach wie vor kein Geld zurück.

Weitergehende Mehrleistungen sind möglich

Denkbar sind auch noch über die Arzneimittel hinausgehende weitere Leistungen, wie verlängerte Haushaltshilfe oder professionelle Zahnreinigung. Selbst die Kostenübernahme für „nicht zugelassenen Leistungserbringer“ ist möglich: Die Kassen könnten also z. B. Heilpraktikerrechnungen erstatten - eine entsprechende Satzungsregelungen vorausgesetzt.

Kassen warten ab....

Nicht alle Kassen sind so schnell wie die TK. Viele Kassenmanager warten offenbar zunächst ab, wie sich die finanzielle Lage entwickelt. Denn die Mehrleistungen müssen letztlich finanziert werden. Niemand will riskieren, möglicherweise begünstigt durch Mehrleistungen, am Ende einen Zusatzbeitrag erheben zu müssen.

Die Verbraucherschützer sind sich auch noch nicht einig: Während manche Stimmen vor sich nur auf den ersten Blick gut anhörenden „Lockangeboten“ der Kassen warnen, loben andere die Effizienz der Regelung.

Wer Wettbewerb fordert, muss die Chancen nutzen

Auch der Wettbewerb bei den Apotheken könnte angeheizt werden. Wenn es für den Versicherten gilt, eine Erstattungsobergrenze wie etwa die 100 EUR der TK möglichst gut auszuschöpfen, könnten plötzlich auch die Apothekenpreise mehr ins Visier der Verbraucher geraten. Und auch Ärzte könnten profitieren - etwa weil sie ihr Medikamentenbudget durch erstattungsfähige Privatrezepte entlasten können.

Verwundert zeigen sich daher Verbraucherschützer über die Kassen, die bisher das Feld der Mehrleistungen noch nicht beackert haben. Denn schließlich haben die Krankenkassen selbst laut nach mehr Wettbewerbsmöglichkeiten gerufen!

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