24.02.2014 | Volkskrankheit Alkoholismus

Mittel gegen Alkoholabhängigkeit zulasten der GKV

Mittel gegen Alkoholabhängigkeit sollen künftig verordnet werden
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 20.2.2014 einen Beschluss zur Verordnung von Arzneimitteln bei Alkoholabhängigkeit beschlossen. Diese sollen bei Alkoholabhängigkeit u. U. für einen begrenzten Zeitraum zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung  verordnungsfähig sein.

Alkoholkranke Patienten, die auf eine Abstinenztherapie hingeführt werden sollen, können damit übergangsweise Mittel zur Behandlung ihrer Abhängigkeit erhalten, die für die Reduktion des Alkoholkonsums zugelassen sind. Die Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) trägt den Beschluss mit.

Ziel der Behandlung von Alkoholabhängigkeit

„Übergeordnetes Ziel der Behandlung der Alkoholabhängigkeit bleibt die völlige Abstinenz. Diese hat sich in der medizinischen Rehabilitation und im Bereich der Selbsthilfe bewährt. Allerdings kann es Fälle geben, in denen ein Therapieplatz nicht direkt zur Verfügung steht. Um dafür eine möglichst versorgungsnahe Regelung im Sinne der betroffenen Menschen zu finden, hat der G-BA mit dem heutigen Beschluss über die Möglichkeit entschieden, in diesen Fällen ausnahmsweise ein Medikament zulasten der GKV zu verordnen, das zunächst der Reduktion der Trinkmenge dient“, sagte Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA und Vorsitzender des zuständigen Unterausschusses.

Alkoholabhängige ohne Therapieplatz

Hecken weiter: „Dementsprechend sind solche Arzneimittel künftig für Patienten verordnungsfähig, die zur Abstinenz bereit sind, aber noch keinen Therapieplatz gefunden haben. Eine medikamentöse Therapie soll Betroffene dabei unterstützen, weniger Alkohol zu trinken und auf diese Weise zu einer Abstinenztherapie bewegen“.

Verordnung bei Alkoholabhängigkeit für drei Monate

In den genannten Fällen können entsprechende Arzneimittel bis zu 3 Monate zulasten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) verordnet werden. In begründeten Ausnahmen kann die Verordnung maximal um weitere 3 Monate verlängert werden. Die Einleitung einer medikamentösen Therapie muss durch Ärzte erfolgen, die nachweislich Erfahrungen mit der Behandlung von Alkoholabhängigkeit haben.

Alkoholabhängigkeit gilt als Volkskrankheit

Alkoholabhängigkeit gilt nicht nur in Deutschland als Volkskrankheit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) ist der Alkoholkonsum bei Erwachsenen gleichbleibend hoch. In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 74.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Die direkten Kosten der Behandlung alkoholbezogener Krankheiten werden dem Jahrbuch Sucht zufolge mit jährlich etwa 10 Milliarden EUR angegeben. Rund 9,5 Millionen Menschen konsumieren Alkohol in riskanter Weise, 1,3 Millionen Menschen sind als alkoholabhängig diagnostiziert.

Inkrafttreten des G-BA Beschlusses

Der heutige Beschluss wird dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Prüfung vorgelegt und tritt nach erfolgter Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft.

Schlagworte zum Thema:  Arzneimittel, Alkoholismus, Suchtprävention

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