27.02.2013 | Leiharbeit

Subvention des Staates durch Hartz-IV-Zahlungen

Subvention der Leiharbeit
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Deutsche Gewerkschaftsbund wirft der Zeitarbeitsbranche vor, dass der Lohn der Arbeitnehmer zum täglichen Leben nicht ausreicht. Was bleibt: Der unliebsame Gang zum Jobcenter. Er sieht darin eine massive staatliche Subvention des Verleihergewerbes.

Der Steuerzahler subventioniert nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) die Leiharbeit in Deutschland massiv mit Hartz-IV-Geldern. Allen im Jahre 2011 habe der Bund schlecht verdienende Leiharbeiter mit insgesamt 307,6 Millionen Euro aufstockenden Hartz-IV-Leistungen unterstützt, berichtete der Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik im DGB-Bundesvorstand, Wilhelm Adamy, am 26.2.2013. Adamy, der auch Mitglied im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist, beruft sich dabei auf Bundesagentur-Zahlen.

16 % der Hartz-IV Zahlungen in 2011 an Leiharbeiter

«In keiner anderen Branche waren die Hartz-IV-Aufwendungen für Vollzeitbeschäftigte höher als in der Leiharbeit. Nicht existenzsichernde Löhne werden über Hartz-IV staatlicherseits immer noch massiv subventioniert», kritisierte der Arbeitnehmervertreter im BA-Kontrollgremium. Im Jahr 2011 seien knapp 16 % der gesamten aufgewendeten aufstockenden Hartz-IV Leistungen an Leiharbeiter geflossen; dabei beschäftige die Zeitarbeitsbranche nur 3 % aller Arbeitskräfte.

Verarmungsrisiko sehr hoch

Nach Adamys Erkenntnissen sind Beschäftigte im Verleihgewerbe wegen ihres geringen Lohns weit überdurchschnittlich auf Hartz IV angewiesen. Der Anteil der Beschäftigten, die ergänzend Hartz IV bezögen, sei im Verleihgewerbe sehr hoch. Im Juni 2012 waren immer noch 9,6 % aller Leiharbeitskräfte auf aufstockende Hartz-IV-Leistungen angewiesen; bezogen auf die Beschäftigten aller Branchen zusammen liege dieser Anteil im Schnitt lediglich bei 2,5 %. «Das Verarmungsrisiko beschäftigter Leiharbeitskräfte ist folglich drei bis viermal höher wie in der Wirtschaft insgesamt», stellte der DGB-Vertreter fest.

Jobcenter vermittelten zu häufig Arbeitslose in Leiharbeit

Die Entwicklung kritisierten auch die Grünen im Bundestag. Allein im Juni 2011 hätten 54.000 Haushalte, in denen mindestens ein Leiharbeiter lebte, noch Geld vom Jobcenter erhalten, berichtete die Berliner «Tageszeitung» unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. In 86 % der Fälle - nämlich 47.146 Haushalten - war der Leiharbeiter auf einer Vollzeitstelle beschäftigt. Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke kritisierte, dass die Jobcenter Arbeitslose zu häufig in Leiharbeit vermittelten. Leiharbeit bedeute für die Betroffenen «Unsicherheit und Einbußen bei der Lebensplanung».

Schlagworte zum Thema:  Leiharbeit, Hartz IV, Verleiher

Aktuell

Meistgelesen