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Künftig auch Zusatzversicherung vom Leistungserbringer?

Gehen Zusatzversicherung und Leistung bald Hand in Hand?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Megafusionen der Klinik-Ketten und die Folgen: Der Helios-Rhön-Konzern plant, klinikgebundene Zusatzversicherungen auf den Markt zu bringen.

Neue Konkurrenz für Privatversicherer und Kooperationspartner der gesetzlichen Krankenkassen oder nur ein weiterer Sturm im Wasserglas? Das fragen sich Experten, nachdem ein neuer Plan der Helios-Rhön Krankenhauskette bekannt wurde. Die Fresenius-Tochter Helios will nach der geplanten Übernahme des Konkurrenten Rhön Klinikum nicht nur die Rolle des eindeutigen Marktführers bei privaten Krankenhäusern in Deutschland spielen: Den Patienten soll auch eine klinikgebundene private Zusatzversicherung angeboten werden.

Versicherung bietet Leistung in eigenen Krankenhäusern

Dahinter steckt die Idee, eine weitgehend normierte Versicherung anzubieten. Sie soll ganz konkrete Leistungen vor Ort in den Häusern des Konzerns abdecken. Der Krankenhauskonzern ist überzeugt, die für eine solche Versicherung notwendige Infrastruktur anbieten zu können.  Angepeilt wird bei der Police für stationäre Leistungen eine Prämie von rund 30 EUR pro Monat für einen 40-Jährigen. Der Konzern hat vor, diesen Tarif bundesweit offenbar in großem Stil anzubieten.

DKV verlässt den eingeschlagenen Weg

„goMedus“ heißt ein ähnliches Angebot der DKV Deutsche Krankenversicherung. Der private Versicherungsanbieter hatte seit 2003 privatärztliche Zentren in Köln, Düsseldorf, Berlin und München gegründet. Diese stehen den eigenen Versicherten, aber auch Kunden anderer Privatversicherer zur Verfügung. In den Zentren sind Ärzte aus bis zu 11 unterschiedlichen Fachrichtungen tätig. Die Zentren werden von der goMedus GmbH & Co. KG betrieben, einer 100%-igen Tochter der DKV. Erst vor wenigen Wochen hatte die DKV einen Kurswechsel verkündet. Man wolle auf einen weiteren Ausbau verzichten, da die Angebote von den Versicherten nicht wie erhofft angenommen worden sind. Versicherungsexperten gehen davon aus, dass dies weitgehend an der Nähe zwischen den dort tätigen Ärzten und der Versicherung liegt. Obwohl die Ärzte keine Beschäftigten der DKV sind, wird die bestehende Verbindung offenbar als Einschränkung wahrgenommen. Die Patienten fürchten offensichtlich einen Autonomieverlust, wenn sie keine freie Wahl beim Arzt oder Krankenhaus haben.

Versicherung und Versorgung aus einer Hand

Ob dieses Schicksal auch das geplante Angebot des Helios-Rhön-Konzerns ereilen wird, bleibt abzuwarten. Zwar wird in diesem Fall das Angebot von der anderen Seite, nämlich der Leistungserbringerseite aufgezogen. Doch dürfte die Sorge potentieller Versicherungskunden - optimal behandelt zu werden - auch in diesem Fall nicht ganz wegzudiskutieren sein, wenn Versicherung und Versorgung aus einer Hand kommen.

Schlagworte zum Thema:  Zusatzversicherung, Krankenhausbehandlung, Privatversicherung

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