06.12.2012 | Krankenversicherung

Wieder neue Rekordhöhe der Krankenkassenrücklagen

Noch ist genug Geld da - aber wie lange noch?
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Krankenkassen hatten noch nie zuvor so viel Geld auf der hohen Kante. Doch droht eventuell schon bald ein Ende der rosigen Zeiten?

Die Zahlen vom 3. Quartal liegen vor: Die gesetzliche Krankenversicherung hat eine Rekordreserve von 23,5 Mrd. EUR angesammelt. Damit ist wohl der Höchststand erreicht. Denn bald werden die Abschaffung der Praxisgebühr und steigende Ausgaben zu Buche schlagen. Dem Quartalsbericht zufolge dürfte es im Gesamtjahr nicht zu wesentlichen weiteren Überschüssen kommen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am 5.12.2012 in Berlin mit.

Anstieg um 2,7 Mrd. in 3 Monaten

Der Rekord basiert auf der stabilen Wirtschaftslage bei moderaten Ausgabensteigerungen. Der Beitragssatz beträgt unverändert 15,5 %. Zu einem Finanzpolster von 14 Mrd. EUR bei den Krankenkassen kommt nach 9 Monaten des Jahres eine Reserve von rund 9,5 Mrd. EUR beim Gesundheitsfonds. Zum Ende des 1. Halbjahrs belief sich die Reserve der gesetzlichen Krankenversicherung noch auf rund 21,8 Mrd. EUR.
Die Kassen erzielten in den ersten 9 Monaten des Jahres einen Überschuss von rund 4,05 Mrd. EUR. Der Fonds wies ein Defizit von 15 Mio. EUR auf, dürfte aber aufgrund von Einmalzahlungen wie dem Weihnachtsgeld bis zum Jahresende noch steigende Beitragseinnahmen haben.

Lob vom Gesundheitsminister

Für Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigen die Zahlen das solide finanzielle Fundament der Krankenversicherung. Die nötigen Mittel zur beschlossenen Abschaffung der Praxisgebühr Anfang 2013 seien vorhanden. Einnahmen von 2 Mrd. EUR pro Jahr fallen damit weg. Das Geld fließt aus der Fonds-Reserve.
Bahr begrüßte, dass vor allem mit der Techniker Krankenkasse sich nun auch große Versicherungen zu Prämienausschüttungen an ihre Mitglieder entschlossen haben. «Allein davon werden mehr als 7 Mio. Mitglieder profitieren.»

Die Finanzlage könnte sich im kommenden Jahr eintrüben

Denn der Steuerzuschuss des Bundes sinkt um 2,5 Mrd. EUR 2013 und 2 Mrd. im Jahr 2014.

Der offizielle Schätzerkreis hatte im Oktober 2012 auf erhebliche Risiken aufgrund der unsicheren Lage des Euro-Raumes hingewiesen. Höhere Ausgaben für Ärzte, Arzneimittel und Kliniken dürften nach Angaben der Schätzer 2013 zu einem Ausgabenplus von 4,6 % führen.

Trendwende schon in Sicht?

Die Ausgaben stiegen um 3,1 % je Versicherten. Die Arzneimittelausgaben wuchsen nach vorerst nur vorübergehender Entspannung wieder – um 2 %. Für Ärzte gaben die Kassen 2,1 % mehr aus, für Kliniken 3,3 %. Die Kliniken, die oft Einsparungen zu ihren Ungunsten beklagen, werden wohl bis zu 2,5 Mrd. EUR mehr in diesem Jahr bekommen.

Die FDP hatte das Aus für die Praxisgebühr gegen den Widerstand der Union durchgesetzt, eine Senkung des Kassenbeitrags stand dagegen nicht näher zur Diskussion. Während Zusatzbeiträge im Wahljahr 2013 in größerem Stil durchgängig ausgeschlossen werden, gibt es für 2014 angesichts der Risiken keine Klarheit.

Schlagworte zum Thema:  Rücklage, Gesetzliche Krankenversicherung, Praxisgebühr

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