01.10.2012 | Krankenkassen-Ranking

Ärzte können Krankenkassen im Internet bewerten

Ärzte können künftig die Krankenkassen im Internet bewerten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Künftig wird es ein Ranking über die besten und schlechtesten gesetzlichen Krankenkassen aus Sicht der Ärzte im Internet geben. Mit einer geplanten Umfrage stellen die Ärzte ihre Zusammenarbeit mit den Kassen ganz infrage.

Die rund 150.000 niedergelassenen Mediziner und Psychotherapeuten können in dem neuen Portal Schulnoten verteilen und ihre persönlichen Erfahrungen mit den Kassen schildern. Das teilte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, am 28.9.2012 in Berlin mit.

«Der Krankenkassen-Navigator bietet allen Niedergelassenen die Möglichkeit, das Verhalten der Kassen im täglichen Praxisalltag zu bewerten.» Die Ärzte drehen somit den Spieß um: Bisher gibt es Kassen-Portale, in denen Versicherte Ärzte bewerten können. Die Internet-Bewertungen sind allgemein einsehbar.

Bewertungskriterien der Ärzte

Bislang erfahren die Patienten laut KBV kaum, ob ihr Arzt von der Kasse reibungslos unterstützt wird. Noten soll es geben in Rubriken wie Therapiefreiheit, Bürokratie oder Service. Auch freie Kommentare sollen möglich sein. Ärzte müssen bei der Registrierung ihren Namen und ihre Arztnummer angeben. Diffamierende Inhalte werde es nicht geben. Kassen sollen ab mindestens 10 Ärzte-Bewertungen im geplanten Ranking aufgeführt werden.

Zukunftsprognose zur Zusammenarbeit Ärzte und Krankenkassen

Angesichts massiven Unmuts bei den Ärzten sollen die Mediziner bis Ende des Jahres zudem darüber abstimmen, wie sie sich ihre Zukunft gegenüber den Kassen vorstellen. Ärztefunktionäre beklagten zuletzt verstärkt, die Mediziner würden gegängelt und ungenügend bezahlt. Bei der geplanten Befragung soll es um die weitere Zusammenarbeit mit den Kassen gehen.

Droht der Ausstieg aus dem Kassensystem?

Damit stellen die Ärzte nach fast 100 Jahren ihren Auftrag infrage, die medizinische Versorgung gemeinsam mit den Kassen abzusichern. Bei der Befragung könne herauskommen, dass die Ärzte zufrieden sind, dass sie klarere Bezahlregeln und weniger Kassen-Vorgaben wollen oder dass sie aus dem heutigen Kassensystem aussteigen wollen. Köhler: «Wir wollen wieder feste und kostendeckende Preise für alle Leistungen.» Die Befragung solle es geben, egal wie der aktuelle Honorarstreit mit den Kassen ausgeht.

Honorarstreit geht in die nächste Runde

Am 4.10.2012 gehen die Verhandlungen zwischen Ärzten und Kassen in eine neue Runde. Die Ärzte sollen kommendes Jahr nach bisherigem Verhandlungsstand rund 900 Mio. EUR mehr bekommen, gefordert hatten sie 3,5 Mrd. EUR. Für die kommenden Wochen hatten freie Ärzteverbände Demonstrationen und Praxisschließungen angekündigt. Etwa in Thüringen blieben am Freitag bereits viele Praxen geschlossen.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) rief Ärzte und Kassen zur Einigung auf. «Gegenseitige Vorwürfe in den Verhandlungen helfen nicht weiter», sagte Bahr am 28.9.2012. Kassen und Ärzte müssten zu einem fairen Ergebnis kommen. «Sonst brauchen wir die Selbstverwaltung nicht mehr.»

Schlagworte zum Thema:  Kassenarzt, Internetportal, Arzthonorar

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