07.12.2012 | Krankenhausbehandlung

Vorwurf der Krankenkassen: Es wird zu viel operiert

Vorwurf der Kassen: Es wird zu schnell, zu häufig und unnötig operiert.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Krankenkassen kritisieren heftig: Es werde zu schnell, zu häufig und oft unnötig operiert. Negativ gesehen werden auch finanziellen Anreize für Ärzte mit hohen OP-Zahlen ("Chefarzt-Boni"). Die Kliniken wehren sich jedoch gegen die Vorwürfe.

In Deutschlands Krankenhäusern sind in den vergangenen Jahren hunderttausende Patienten zusätzlich unters Messer gekommen. Über den Grund des Anstiegs der OP-Zahlen gehen die Meinungen von Krankenkassen und Kliniken stark auseinander. Die AOK wird am 7.12.2012 eine Studie hierzu veröffentlichen. Die Krankenhäuser wollen zuvor noch rasch die Zweifel über die Notwendigkeit vieler kostspieliger OPs zerstreuen.

Medizinischer Fortschritt und Alterssteigerung sind mögliche Ursachen

Eine neue Untersuchung im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommt zu dem Ergebnis, dass es zwar deutlich mehr Operationen gebe. Der Anstieg rühre aber von der Zunahme der Zahl der Älteren und vom medizinischen Fortschritt her. «Eine generelle Diffamierung der Krankenhausmitarbeiter und eine haltlose Verunsicherung vieler Patienten sind folglich zurückzuweisen», heißt es in der Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts.

Keine Willkür der Ärzte

Zwar seien ökonomische Fehlanreize nicht zu leugnen. Doch gerade bei den in die Kritik geratenen zahlreichen künstlichen Hüft- und Kniegelenken sowie den Herzschrittmachern und Herzkatheder-Eingriffen gebe es eine solide Indikationsstellung. Die Ärzte ordneten diese Eingriffe also nicht beliebig an, so das Krankenhausinstitut.

Niedergelassene Ärzten überweisen 2 von 3 Patienten, die meisten anderen kämen als Notfälle ins Krankenhaus. Dort gelte das Mehraugenprinzip, nach dem ein Arzt nicht alleine entscheide.

Die stärksten Steigerungen gibt es laut dieser Erhebung bei Therapien des Muskel-Skelett-Systems und des Kreislaufsystems. Von 2007 bis 2011 gab es hier 532.000 zusätzliche, nach dem Standardverfahren abgerechnete Fälle. Insgesamt seien die Behandlungsfälle in dem Zeitraum um 6,7 % auf 17,7 Mio. pro Jahr gestiegen.

Krankenhausreport soll es an den Tag bringen

Unter dem Motto «Mehr Menge - mehr Nutzen?» stellt der AOK-Bundesverband am 7.12.2012 den Krankenhaus-Report 2013 vor. Dabei lautet die zentrale Frage: Was muss geschehen, damit Patienten sicher sein können, dass die Qualität der Behandlung stimmt und niemand unnötig operiert wird? Auch Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, stellt sich dazu der Öffentlichkeit.

Zuletzt hatte der Spitzenverband der Krankenkassen kritisiert, dass viele Patienten ohne zwingenden medizinischen Grund unters Messer kämen. Und selbst die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie stellte fest, medizinische Maßnahmen würden teils vor allem wegen des Geldes ergriffen. So sollten aus den Chefarztverträgen die Vereinbarungen über Boni für viele Operationen zurückgedrängt werden.

Bisherige Studienergebnisse

Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Kassen-Auftrag hatte einen Anstieg bei den orthopädischen Behandlungen von 14 % innerhalb von 4 Jahren ergeben. Bei den kardiologischen Fällen waren sogar 17 %. Knapp 60 % des Anstiegs sei nicht mit zunehmendem Alter der Menschen erklärbar.

Schlagworte zum Thema:  Krankenhausbehandlung, Operation, Krankenhausreport

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