19.12.2013 | Pflegereport der Pflegekasse

Kosten für Pflege steigen – Forderung nach Pflegereform

Immer mehr Pflegebedürftige - immer höhere Kosten für Pflege
Bild: Haufe Online Redaktion

Pflegebedürftige müssen immer tiefer in die Tasche greifen, um ihre Pflege sicherzustellen. Die Kosten für ambulante oder stationäre Pflege steigen – die Leistungen der Pflegekassen kaum.

Pflege wird immer teurer, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen immer höhere Beträge für die pflegerischer Versorgung selbst aufbringen. Die Leistungen der Pflegeversicherung stagnieren. Das zeigt der aktuelle Pflegereport der BARMER GEK, der am 18.12.2013 in Berlin vorgestellt wurde.


Konstante Pflegeleistungen - steigende Pflegekosten

Der monatliche Eigenanteil im Jahr 2011 betrug bei stationärer Pflege im Durchschnitt bei 1.380 EUR (Pflegestufe I) und bei 1.802 EUR (Pflegestufe III). Im Jahr 2009 waren es noch 1.351 und 1.791 EUR. Die Leistungen der Pflegekassen blieben in diesem Zeitraum konstant.

Eigenanteile machen bei stationärer Pflege mehr als die Hälfte der Gesamtkosten aus

Das Problem sei, dass die Leistungen der Pflegekasse real immer weniger wert seien, sagte Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, Autor des Pflegereports. Denn die Gesamtkosten für die stationäre Pflege sind seit 1999 kontinuierlich gestiegen. Die steigenden Kosten werden dann mit höheren Eigenanteilen für die Pflegebedürftigen ausgeglichen.

Auch der Eigenanteil am Pflegesatz (Ausgaben ohne die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen wie Umbauten) steigt. „Da müsste eigentlich eine Null stehen“, sagte Rothgang. Nur bei Einführung der Pflegeversicherung  im Jahr 1995 hätten deren Leistungen teilweise ausgereicht, dies Pflegesätze zu decken.

Gegensteuern: Pflegeversicherungsleistungen verlieren an Wert

Rothgang forderte daher, die Leistungen der Pflegekassen jährlich anzupassen. So sei ein Wertverlust zu verhindern. Den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD bewertete er in diesem Punk als nicht ausreichend.

Eine Pflegereform muss her

Auch der Sozialverband VdK verlangt von der neuen Bundesregierung eine „große Pflegereform“. Die Pflegeversicherung müsse komplett umgebaut werden. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher sagte, dass der VdK derzeit prüfe, ob wegen der Verbesserung der Pflege das Bundesverfassungsgericht angerufen wird.

Zahlen und Fakten aus dem Pflegereport

  • Die Höhe der Gesamtkosten für Pflegebedürftige macht den Verbesserungsbedarf deutlich: Sie betragen für Frauen 41.000 EUR, für Männer 21.000 EUR.
  • Viele Pflegebedürftige können sich die hohen Pflegekosten nicht leisten. Rund 30 % der Pflegeheimbewohner erhalten Sozialhilfe. Die Zahl sei über die Jahre relativ konstant geblieben.
  • In der ambulanten Pflege erhalten weniger Pflegebedürftige die „Hilfe zur Pflege“. 2011 waren es rund 90.000 Empfängern gegenüber etwa 240.000 im stationären Bereich. Insgesamt ist der Anteil derer, die ambulante Pflege in Anspruch nehmen, gestiegen.
  • Die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt steigt rasant: 2,5 Mio. Pflegebedürftige waren 2011 registriert, nur 2 Mio. waren es noch 1999.


Download-Tipp: Den Pflegereport 2013 der BARMER GEK Pflegekassen finden Sie hier


Prognose: Für 2050 wird mit 4,5 Mio. Pflegebedürftigen gerechnet - die demografische Entwicklung lasse diese enorme Zahl erwarten, sagte der Vizepräsident der BARMER GEK, Rolf-Ulrich Schlenker.

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