05.01.2012 | Leistungen Sozialversicherung

Kommt (k)eine Gebühr für jeden Arztbesuch?

Die von Schwarz-Gelb angekündigte Reform der Praxisgebühr muss nach Ansicht des FDP-Gesundheitspolitikers Lars Lindemann die Zahl der Arztbesuche deutlich senken. Sei dies nicht erreichbar, reduziere sich der Sinn der derzeitigen Gebühr auf reine Einnahmeerhöhung.

Lindemann warnte vor einem Anstieg der Bürokratie bei der Reform der Praxisgebühr. "Alternativen müssen unbürokratisch sein. Zu viel Bürokratie ist nämlich das Hauptärgernis aller Beteiligten." Die Koalition will 2012 die Praxisgebühr von derzeit 10 EUR pro Quartal reformieren.

Kein Rückgang der Arztbesuche durch Praxisgebühr

Die 2004 eingeführte, umstrittene Gebühr habe nicht die erwünschte Steuerungswirkung gehabt hin zu weniger Arztbesuchen. Angesichts der guten Kassenlage der Krankenversicherung sei denkbar, dass das Gesamteinnahmevolumen aus der Praxisgebühr gesenkt werde, wenn die notwendige Steuerungswirkung der neuen Regelung positiv ausfalle, sagte Lindemann.

Er sprach sich vehement gegen eine Gebühr pro Arztbesuch aus, wie sie aus den Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU vorgeschlagen wurde. "Es ist mir nicht bekannt, dass verantwortungsvolle Gesundheitspolitiker in der Union solch eine Gebühr präferieren", sagte er.

Mehr Transparenz und Eigenverantwortung

"Die neue Regelung muss gerecht sein und darf nicht die Patienten abhalten, die notwendige ärztliche Behandlung anzunehmen", erläuterte Lindemann. Es gehe um mehr Eigenverantwortung und um mehr Transparenz im System. Dies könne man etwa dadurch erreichen, dass der Patient die Abrechnung in die Hände bekomme, aber nicht in Vorleistung gehen müsse. "Es gibt mit der FDP keine Überlegung, dass jemand in Vorleistung gehen muss", unterstrich Lindemann.

Deutsche gehen zu oft zum Arzt

Auf der anderen Seite betonte der FDP-Politiker aber auch: "Wir müssen darauf hinwirken, dass auch vom Arzt nur die nötigen Behandlungen durchgeführt werden." 18 Arztbesuche pro Patient und Jahr seien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel zu hoch.

Lindemann räumte ein, dass der Anreiz zu einem Praxisbesuch oft von den Ärzten selbst ausgehe. Dies sei bis zu einem gewissen Grad "systemimmanent und nie ganz auszuschließen". Letztlich gelte es, das System so umzuorganisieren, "dass man nur für erbrachte Qualität bezahlt. Ein deutlicher Schwerpunkt zukünftiger Reformen müsse darum auf der Entwicklung von mehr Qualitätskriterien liegen", argumentierte der Gesundheitspolitiker. "Diejenigen, die diese definierten Qualitäten dann nicht erbringen, müssten aus dem System ausscheiden."

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