18.07.2016 | Auslandssozialhilfe

Keine Sozialhilfe für deutsche Staatsbürger im Ausland

Auslandssozialhilfe nur bei außergewöhnlichen Notlagen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ein deutscher Staatsangehöriger, der sich seit Jahren in der Ukraine aufhält, hat keinen Anspruch auf Sozialhilfe im Ausland. Der Mann hatte behauptet, wegen einer in Deutschland drohenden Strafverfolgung nicht zurückkehren zu können.  

Im Juli 2015 übersandte die Deutsche Botschaft in der Ukraine aus Kiew dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) einen Antrag eines deutschen Staatsangehörigen auf Gewährung von Sozialhilfe im Ausland. Der Antragsteller stamme aus dem Raum Stuttgart und lebe nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2010 in der Ukraine. Nach den Erkenntnissen der Botschaft werde er nicht zum Verbleib in der Ukraine gezwungen. Die Ausübung hoheitlicher Gewalt, die einer Ausreise entgegenstehen würde, sei nicht erkennbar. Er habe angegeben, dass ihm in Deutschland eine Haftstrafe drohe, weshalb er nicht die Absicht habe, in das Bundesgebiet zurückzukehren. 

Klage auf Auslandssozialhilfe per E-Mail unzulässig

Auf Nachfrage des KVJS machte der Kläger keine weiteren Angaben zu seinen aktuellen finanziellen Verhältnissen und Wohnumständen. Gegen die ablehnende Entscheidung der Behörde erhob er per E-Mail Klage beim SG  Stuttgart. Er weigerte sich, seine vollständige Anschrift anzugeben, weshalb das Sozialgericht die Klage als unzulässig abwies.

Auslandssozialhilfe nur bei außergewöhnlichen Notlagen

Das LSG Baden-Württemberg hat die Entscheidung des Sozialgerichts bestätigt. Es hat ebenfalls die, wiederum nur per E-Mail ohne Nennung einer Postanschrift eingelegte, Berufung als unzulässig verworfen. Nur mit der bloßen Angabe einer E-Mail-Adresse kann kein Rechtsstreit geführt werden. Die Ablehnungsentscheidung des KVJS ist auch in der Sache rechtmäßig. Es besteht kein Anspruch auf Sozialhilfe im Ausland. Auslandssozialhilfe gibt es nur in außergewöhnlichen Notlagen und wenn die Rückkehr in das Bundesgebiet aus bestimmten Gründen nicht möglich ist. Hierfür ist der Antragsteller beweispflichtig. Er hat jedoch keine verwertbaren Angaben zu seinen Verhältnissen gemacht. Außerdem stellt die behauptete drohende Strafverfolgung in der Bundesrepublik kein anzuerkennendes Rückkehrhindernis dar.

Urteil des LSG Baden-Württemberg vom 9. Juni 2016, Az. L 7 SO 4619/15.

Weitere Artikel zum Thema "Sozialhilfe"

Immer mehr Sozialhilfeempfänger in Deutschland

Hartz IV und Sozialhilfe für in Deutschland lebende EU-Bürger ausschließen

Schlagworte zum Thema:  Sozialhilfe, Ausland

Aktuell

Meistgelesen