31.07.2015 | Entwicklung des Arbeitsmarktes

Kein Abbau der Arbeitslosigkeit im Sommer

Der Sommer wirkt nicht gut auf den Arbeitsmarkt
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Aufgrund der Sommerflaute prognostiziert die Bundesagentur für Arbeit eine verhaltenere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, als zuletzt. Ein Abbau der Arbeitslosigkeit wird nicht erwartet. Bislang war der Arbeitsmarkt jedoch relativ robust und die Jahresprognose sieht gut aus.

Nach einer unerwartet guten Entwicklung in den vergangenen Monaten könnte der Aufschwung auf dem deutschen Jobmarkt in den kommenden Monaten an Tempo verlieren. Im Juli verpasste die übliche Sommerflaute dem Arbeitsmarkt mit einem Anstieg der Erwerbslosigkeit um 61 000 auf 2,773 Millionen bereits einen kleinen Dämpfer. Überraschend für Experten: Auch saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit deutlich an. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) beurteilte den Jobmarkt bei der Vorlage der jüngsten Statistiken am 30.7.2015 dennoch weiter als robust.

Abbau der Arbeitslosigkeit wird nicht erwartet

Für die nächsten drei Monate erwartet BA-Chef Frank-Jürgen Weise aber nur eine stabile und daher auch nicht wirklich verbesserte Arbeitsmarktlage. Auch die Forscher vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hatten den Arbeitsmarkt zuletzt weiter «in ruhigem Fahrwasser» gesehen. Umgekehrt bedeute dies jedoch, dass es für einen deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit derzeit nicht reiche. Gerade Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte dürften es daher in den nächsten Monaten noch schwerer haben einen Job zu finden, als bisher.

Bester Jahresdurchschnitts-Wert seit der Wiedervereinigung

Dennoch ist die Lage alles andere als schlecht: Für das Gesamtjahr erwartet die BA im Schnitt 2,79 Millionen Arbeitslose. Sollte es dabei bleiben, wäre es der beste Jahresdurchschnitts-Wert seit der Erhebung der gemeinsamen Zahlen nach der Wiedervereinigung.
Auch im Juli gab es trotz Sommerflaute und zahlreicher internationaler Krisen mit 2,773 Millionen so wenige Jobsucher wie zuletzt Anfang der 1990er-Jahre. Die Arbeitslosenquote legte zwar um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zu. Doch gemessen am Vorjahr sank die Zahl der Erwerbslosen um 99 000.

Ursache für höhere Arbeitslosigkeit im Juli

Hauptursache für den Anstieg im Vergleich zum Juni war laut Weise die Arbeitssuche junger Menschen, die sich nach abgeschlossener Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos melden. Zudem verschöben viele Betriebe Neueinstellungen traditionell auf den Herbst. Dann werde die Zahl der Jobsucher - wie in jedem Jahr - auch wieder deutlich zurückgehen, sagte Weise. Ein weiterer Grund für die Zunahme im Juli: Weniger Menschen waren in Förderprogrammen.

Arbeitslosigkeit von kurzzeitig Beschäftigten und Hartz IV-Beziehern

Auch die Zahl der Menschen mit regulärem Job ist zuletzt auf hohem Niveau weiter gewachsen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte jedoch, die «relativ stabile Arbeitsmarktlage» dürfe kein politisches Ruhekissen sein. Die Regierungskoalition sollte gerade jetzt sinnvolle Änderungen in der Arbeitsförderung auf den Weg bringen, forderte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Dazu zähle eine bessere Absicherung von kurzzeitig Beschäftigten in der Arbeitslosenversicherung.
Und auch für die Weiterbildung von Menschen im Hartz IV-Bezug müsse die Bundesregierung deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen, forderte DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Wer sich hier für eine zweijährige Weiterbildung entscheide, sei finanziell oft schlechter gestellt als ein Ein-Euro-Jobber. «Zudem muss die Verzahnung der beruflichen Hilfen der Jobcenter und der sozialen Hilfen der Kommunen verbessert werden - wie etwa die Schuldner- und die psychosoziale Beratung.» Adamy forderte Durchhalte- und Abschlussprämien auch bei Weiterbildungen von Hartz IV-Beziehern.

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