12.09.2012 | Kassenüberschüsse

Versicherte wollen mehr Leistung statt Prämie

Lieber bessere Leistungen: Versicherte wollen kein Geld zurück.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die gesetzlichen Krankenkassen sitzen auf dicken Finanzpolstern. Der Druck der Politik auf die Kassen ist groß. Sie sollen Prämien ausschütten. Doch viele Bürger wollen lieber mehr Leistungen.

Nur jeder 5. Bundesbürger ist für eine direkte Rückerstattung der Rekordüberschüsse der gesetzlichen Krankenversicherung an die Beitragszahler. 74 % wollen mit dem Geld lieber das Gesundheitssystem verbessern oder das Geld für schlechte Zeiten zurückgelegen.

Das ergab eine am 11.9.2012 in Berlin veröffentlichte Umfrage des Instituts Kantar Health im Auftrag des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen.

Hohe Reserven erzeugen Handlungsdruck

Die Reserven der gesetzlichen Krankenversicherung sind zuletzt auf rund 21,8 Mrd. EUR angestiegen. Nur ein Teil des Geldes ist als Pflichtreserve gebunden. Der Überschuss der Kassen betrug im ersten Halbjahr 2012 2,7 Mrd. EUR. Die Einnahmen stiegen im Vorjahresvergleich um 3,1 Mrd. EUR - bei um 2,8 Mrd. EUR sinkenden Ausgaben. Daher appellierte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr an besonders gut aufgestellte Kassen, Geld an die Versicherten zurückzugeben.

Mehr Leistung statt "Geld zurück"

Große Teile der Befragten wünschen sich jedoch mehr Leistungen, weniger Zuzahlungen, mehr Geld für chronisch Kranke, für die Altenpflege oder für die Kinder- und Jugendgesundheit.

Dass aufgrund des überschüssigen Geldes die Praxisgebühr reduziert oder gar ganz abgeschafft werden soll, wollen lediglich 11 % der Befragten.

Zusatzleistungen der Krankenkassen gewünscht

Den meisten Befragten war die Vergütung von Kunststoff-Füllungen statt Amalgam (78 %), die Kostenübernahme für Brillen und Kontaktlinsen (76 %), alternative Heilmethoden 66 % oder Arzneimittel (62 %) wichtig. 63 % der Befragten wünschen sich einen Geldbonus z. B. für Vorsorgeuntersuchungen oder einen Zuschuss zur professionellen Zahnreinigung oder für Reiseimpfungen.

Gute Noten für das deutsche Gesundheitssystem

77 % der Befragten zeigten sich zufrieden mit dem Gesundheitssystem, lediglich 5 % sind „sehr unzufrieden“. 73 % können sich nicht daran erinnern, in den vergangenen 2 Jahren negative Erfahrungen beim Arzt, in der Klinik, der Apotheke oder bei der Krankenkasse gemacht zu haben.

Diese hohe Zufriedenheit gilt sowohl für die gesetzlich sowie die privat versicherten Befragten.

Neue Wege bei der ärztlichen Behandlung

Die restlichen Befragten berichteten am häufigsten von Problemen bei der Diagnosestellung und der ärztlichen Behandlung oder Schwierigkeiten mit ihrer Krankenversicherung bei der Übernahme von Kosten. Für Unmut sorgte bei vielen auch, dass Ärzte zu wenig auf sie eingegangen oder Wartezeiten zu lang gewesen seien.

Fast jeder 2. Internet-Nutzer kann sich der Befragung zufolge gut vorstellen, mit dem Arzt per Videoübertragung online zu sprechen.

Schlagworte zum Thema:  Gesetzliche Krankenversicherung, Praxisgebühr, Zuzahlung, Prämie

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