28.05.2013 | Elektronische Gesundheitskarte

Kassenärzte drohen bei Gesundheitskarte auszusteigen

Versicherte sollen ihre Daten auf der eGK selbst aktualisieren.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Kassenärzte verlangen Korrekturen bei der elektronischen Gesundheitskarte: Weg von der rein kassenzentrierten Telematik-Infrastruktur. Die KBV stellt klare Kriterien für die elektronische Gesundheitskarte und ihre weitere Mitarbeit in der Gematik auf.

Der ursprüngliche Grundgedanke des IT-Projekts der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sei längst nicht mehr vorhanden, kritisierte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler. Die eGK habe die Kommunikation zwischen Ärzten, Krankenhäusern und den Versicherten verbessern sollen.

Ziel der eGK aus den Augen verloren

Dieses Ziel spiele aus Sicht der KBV keine Rolle mehr - ebenso wenig wie der angestrebte Bürokratieabbau. "Entstanden ist vielmehr eine rein kassenzentrierte Telematik-Infrastruktur für Verwaltungsaufgaben wie das Versichertenstammdatenmanagement," so Köhler am 27.5.2013 auf der Vertreterversammlung der KBV in Hannover.

Austritt der KBV aus der Gematik droht

Die Kassenärzte lehnten per Beschluss eine weitere Mitarbeit in der Betreibergesellschaft Gematik sowie in den Testregionen ab, sollte die eGK weiterhin nur auf die Interessen der gesetzlichen Krankenkassen ausgerichtet sein. Notfalls solle die KBV auch die Auflösung der Gematik einfordern, entschieden die Delegierten vor dem 116. Deutschen Ärztetag.

Ausbau andere elektronischer Kommunikationswege

Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und die KBV wollen parallel zur Gematik bestehende Netzinfrastrukturen fördern und ausbauen. Diese sollen den ursprünglichen Zielen des Gesetzgebers und der eGK besser gerecht werden. In erster Linie werden hier das sichere Netz der KVen sowie innovative medizinische Anwendungen in den Regionen genannt. "Wir bekennen uns damit klar für sichere elektronische Kommunikationswege im Gesundheitswesen", sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende.

Stein des Anstoßes: das Versicherten-Stammdatenmanagement

Die KBV will sich weiterhin gegen ein verpflichtendes Stammdatenmanagement für die Versicherten in den Arztpraxen einsetzen. Der Gesetzgeber wird aufgefordert, diese Aufgabe für die Arztpraxen abzuschaffen und allein in der Hände der Krankenkassen zu legen. "Die Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist und bleibt eine Verwaltungsaufgabe der gesetzlichen Krankenkassen", sagte Köhler.

Eine Lösung könnten sogenannte eKioske sein, bei denen die Versicherten in den Filialen der Krankenkassen ihre Karten an einem Terminal selbst aktualisieren und ihre Daten verwalten können.

GKV fordert mehr Mitarbeit statt Drohungen der Ärzteschaft

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wies am 27.5.2013 die Kritik der Kassenärzte vehement zurück. "Statt sich auf Ärzteversammlungen lautstark zu beklagen, wünschten wir uns von den Ärztevertretern eine konstruktive Mitarbeit in der Gematik", erklärte der Pressesprecher des Verbandes, Florian Lanz. Die KBV sei an der Weiterentwicklung der Gesundheitskarte maßgeblich beteiligt gewesen.

Hintergrund

Technische und organisatorischen Schwierigkeiten sowie Widerstand bei den beteiligten Akteuren hatten den Start der eGK jahrelang verzögert. Nun sollen nach flächendeckender Einführung der eGK weitere online Funktionalitäten in die eGK integriert werden, wozu auch das Versicherten-Stammdatenmanagement zählt.

Die KBV vertritt die politischen Interessen der rund 153.900 niedergelassenen und ermächtigten Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland.

Schlagworte zum Thema:  Kassenarzt, Elektronische Gesundheitskarte, Stammdaten

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