| Krebstherapie

Kasse muss bei tödlichem Krebs nicht zugelassenes Medikament zahlen

Bei Lebensbedrohung wird nicht zugelassenes Medikament gezahlt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Bleibt eine Krebstherapie erfolglos, wird nach Alternativen gesucht. Ist eine Behandlung mit einem für Krebs nicht zugelassenen Medikament erfolgversprechend, muss die Krankenkasse die Kosten dafür übernehmen. Das Bayerische LSG entschied: Das Recht des Patienten auf Leben überwiegt.

Ein Versicherter (46 Jahre) erkrankte an einem bösartigen Gehirntumor. Durch Operation, sowie radiologische und chemotherapeutische Maßnahmen konnten der Krebs nicht gestoppt werden. Das Leben des Patienten war akut bedroht. Die behandelnden Ärzte der Universitätsklinik hielten die Behandlung mit dem Medikament Avastin als einzige Chance, einen tödlichen Erkrankungsverlauf zu stoppen. Avastin ist für diese konkrete Krebsbehandlung nicht zugelassen. Die Kasse lehnte mit Verweis auf die Aussage des Medizinischen Dienstes (MDK) die Therapie ab.

Entscheidung im Eilverfahren – es geht um Leben und Tod

Aufgrund des prekären Gesundheitszustandes des Patienten verurteilte das Bayerischen Landessozialgericht (LSG) am 8.4.2013 (L 5 KR 102/13 B ER) die Kasse im Eilverfahren zur Kostenübernahme. Die besondere Dringlichkeit verbietet es, dem Patienten ein langwieriges Verfahren mit Beweiserhebung und Sachverständigengutachten zuzumuten. Abzuwägen seien in einer solchen Situation die Rechtsgüter von Patient und Krankenkasse. Dabei wiege der im Grundgesetz verankerte Schutz von Leben und Gesundheit höher als die Interessen der GKV-Beitragszahler, keine Kosten aussichtsloser Behandlungen zu tragen.

Avastintherapie war ärztlicherseits als erfolgreich einzuschätzen

Im konkreten Fall waren die zugelassenen Methoden der medizinischen Wissenschaft als erfolglos ausgeschöpft anzusehen und nach ärztlicher Einschätzung war die Avastintherapie auf Grund gesicherter Daten als erfolgsversprechend zu beurteilen. Daher überwiegt das Rechtsgut des Patienten auf Leben und das finanzielle Risiko einer nicht vollständig sicheren Therapie muss in den Hintergrund treten.

Rechtsgut des Patienten auf Leben überwiegt

Grundsätzlich darf eine Krankenkasse nur Medikamente mit gesichertem Nutzen und Freiheit von Nebenwirkungen bezahlen. Daran  ändert auch die LSG-Entscheidung nichts. Bietet bei lebensbedrohenden Krankheiten herkömmliche Behandlung keine Aussicht auf Erfolg und ist nach ärztlicher, wissenschaftlich fundierter Kenntnis ein neues Verfahren aussichtsreich, dann müssen die Kassen auch diese Verfahren übernehmen. Das ist durch das grundgesetzliche Recht auf Leben und Gesundheit begründet.

Positiv dabei zu erwähnen: Das gerichtliche Verfahren über 2 Instanzen dauerte von der Antragstellung bis zum unanfechtbaren Beschluss des LSG nur rund einen Monat - und das trotz des komplexen medizinischen Hintergrundes.

Schlagworte zum Thema:  Krebs, Arzneimittel, Nutzenbewertung

Aktuell

Meistgelesen