| Individuelle Gesundheitsleistungen

Bundestagsantrag: SPD will IGeL eindämmen

Die SPD hat die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) im Visier
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Eigentlich zahlt die Krankenkasse alles Notwendige - warum lassen Patienten dann beim Arzt immer mehr auf eigene Rechnung machen? Die SPD will den umstrittenen Bereich eindämmen.

Mit drastischen Schritten will die SPD die Zahl der immer zahlreicheren Selbstzahler-Angebote bei Deutschlands Ärzten senken. "Oft sind sie nicht sinnvoll - schon gar nicht für ihren Preis", sagte die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann der dpa in Berlin.

Soll verboten werden: IGeL und Kassenleistung am selben Tag

Ärzte sollen aus SPD-Sicht keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung mehr erbringen dürfen, wenn sie am selben Tag bereits eine sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an den betroffenen Patienten verkauft haben. Das sieht ein SPD-Antrag vor, der am 10.5.2012 im Bundestag beraten wird. "Patienten werden in vielen Fällen überrumpelt", kritisierte Reimann. Künftig sollten sie sich ohne Druck für oder gegen so ein Angebot entscheiden können.

"Patienten werden in den Arztpraxen zum Teil durch aggressives Marketing zu den Leistungen gedrängt", so die SPD. "Häufig erhalten Patienten weder schriftliche Behandlungsverträge noch schriftliche Rechnungen."

Viele dieser Leistungen sind umstritten

So kritisieren Experten zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen von Gebärmutter und Eierstöcken zur Krebsfrüherkennung bei beschwerdefreien Frauen als unsicher. Auch zusätzliche Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft, bekannt als Baby-TV, gelten Experten als wenig sinnvoll. Die Früherkennung bei Grünem Star durch Messung des Augeninnendrucks und Spiegelung des Augenhintergrunds wird unterschiedlich bewertet.

Die SPD will Leistungen von den Einschränkungen ausnehmen, die Anlass des Arztbesuches sind - etwa Reise-Schutzimpfungen oder sportmedizinische Untersuchungen. Sie müssten extra aufgelistet werden.

Inanspruchnahme von IGeL steigt

Zuletzt gab es dem Antrag zufolge in Deutschlands Arztpraxen IGeL im Wert von 1,5 Mrd. EUR. Noch 2 Jahre vorher lag der Umsatz damit 500 Mio. EUR niedriger. Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK wurden mehr als jedem 4. Versicherten zuletzt binnen Jahresfrist eine medizinische Leistung auf Privatrechnung verkauft.

Der Deutsche Ärztetag hatte vergangenes Jahr beschlossen, dass Ärzte ihre Patienten vor einer solchen Behandlung schriftlich über die Kosten informieren müssen.

Schlagworte zum Thema:  IGeL, Privatbehandlung, Kassenleistung

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