31.07.2012 | Igel-Leistungen

Regierung fördert Verkaufstrainings für Ärzte

Verkaufstraining für Ärzte
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Bundesregierung fördert einem Bericht zufolge Ärzte-Verkaufstrainings für die umstrittenen Igel-Leistungen.

Derartige Schulungen von Ärzten und Beratungen würden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst, zitiert die «Berliner Zeitung» aus einer Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums. Bei den «individuellen Gesundheitsleistungen» (Igel) handelt es sich um Behandlungen, die zum Teil als medizinisch nicht notwendig gelten und daher von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden.
Grundlage der Förderung solcher Trainings sei eine Richtlinie zur «Förderung unternehmerischen Know-hows» für kleine und mittlere Betriebe sowie Freie Berufe, zu denen die Ärzte gehören, zitiert die Zeitung weiter aus der Stellungnahme. Gefördert würden auch bei Medizinern «Maßnahmen der Verkaufsoptimierung», die konkreten Produkte und Dienstleistungen bewerte man nicht.

Umsatz liegt bei 1,5 Mrd. EURO

Der «Berliner Zeitung» zufolge sind die häufigsten Igel-Leistungen das Glaukom-Screening auf Grünen Star und der vaginale Ultraschall auf Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Viele der Igel-Untersuchungen führen zu falschen Befunden und unnötigen Eingriffen. Laut Zeitung setzen Ärzte mit diesen Selbstzahlerleistungen rund 1,5 Milliarden Euro jährlich um.

SPD will Abzockerei beenden

Die staatliche Förderung von Marketing-Seminaren für Ärzte muss nach Meinung der SPD sofort beendet werden. «Es kann nicht sein, dass zum Teil gesundheitsgefährdende Abzockerei auch noch durch das Bundeswirtschaftsministerium bezuschusst wird», sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Karl Lauterbach, am 31.7.2012. Es sei ein Trauerspiel, dass ausgerechnet Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der früher Gesundheitsminister war, diese Leistungen nicht nur toleriere, sondern auch noch gezielt fördere.

Bundesregierung prüft staatliche Förderung

Die Bundesregierung hatte am 30.7.2012 als Reaktion auf einen Pressebericht erklärt, sie überprüfe die staatliche Förderung solcher Marketingseminare für den Verkauf sogenannter IGeL-Leistungen. Die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen von Patienten selbst bezahlt werden. Viele gelten als überflüssig.

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