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Hartz IV-Empfänger haben ein schlechtes Image

Image des Hartz IV-Empfängers: Faul und zu wählerisch:
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Faul und bei der Jobsuche zu wählerisch: Die Mehrheit der Deutschen hat keine hohe Meinung von Hartz IV-Empfängern. Zu Recht? Denn die Sanktionen sind auf Rekordniveau.

Hartz IV-Empfänger haben in der Bevölkerung einen schweren Stand: Die Mehrheit der Deutschen sieht sie als faul, schlecht ausgebildet und bei der Arbeitssuche als zu wählerisch an. Dies geht aus einer am 16.10.2012 veröffentlichten, repräsentativen Umfrage hervor.

Zugleich wurde bekannt, dass die Zahl der von der Bundesagentur für Arbeit (BA) verhängten Sanktionen gegen Bezieher des Arbeitslosengeldes II auf dem Weg zu einem neuen Rekordstand ist.

Viele offene Stellen - Rekord bei den Sanktionen

Die Sanktionen könnten 2012 erstmals die Millionenmarke überschreiten. In der 1. Jahreshälfte strafte die BA bereits 520.792 Hartz IV-Empfänger ab. Die Nürnberger Behörde bestätigte einen Zeitungsbericht. Allein im Februar 2012 wurden 93.931 Sanktionen ausgesprochen - so viele wie in keinem anderen Monat seit Einführung der Hartz-Reformen.

Ein BA-Sprecher erläuterte, dass die Arbeitsvermittler den Leistungsempfängern dank der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt im 1. Halbjahr mehr Stellen als sonst hätten anbieten können. Würden diese abgelehnt, griffen die Sanktionen.

Greifen die Sanktionen zu schnell?

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping bezeichnete dies als verfassungswidrig. «Jede Leistungskürzung verletzt das Grundrecht der Betroffenen auf Existenzsicherung und gesellschaftliche Teilhabe», erklärte sie in Berlin. Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland, beklagte: «Sanktionen werden rücksichtslos und stur nach Vorgaben verhängt. Inzwischen reicht offenbar schon das geringste "Fehlverhalten", und die Sanktionsfalle schnappt erbarmungslos zu.»

Vorurteile gegen Langzeitarbeitslose

Viele Bürger dürften sich hingegen von den Sanktionszahlen in ihren Vorurteilen bestätigt sehen: Die Mehrheit der Deutschen ist der Meinung, dass Hartz IV-Empfänger faul, schlecht ausgebildet und bei der Arbeitssuche zu wählerisch seien. Der repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag der BA zufolge glauben 55 % der Bevölkerung, dass Hartz IV-Empfänger nicht selbst aktiv nach Arbeit suchen. Tatsächlich klopften aber 62 % von ihnen aus eigenem Antrieb bei Arbeitgebern an.

Entgegen der Annahme von 57 % der Deutschen, Langzeitarbeitslose seien zu anspruchsvoll bei der Arbeitssuche, würden 71 % der Betroffenen nach eigenen Aussagen auch eine Stelle annehmen, für die sie überqualifiziert sind. «Meist sind diese Vorurteile Irrtümer», betonte daher das zuständige BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt in Berlin.

Schlagworte zum Thema:  Hartz IV, Sanktion, Arbeitslosengeld II, Langzeitarbeitslosigkeit, Bundesagentur für Arbeit

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