| Häusliche Krankenpflege

Pflegedienste appellieren wegen Dumpingpflegepreise

Pflegedienste fürchten Dumpingpreise
Bild: MEV-Verlag, Germany

Pflegedienste schlagen Alarm und rufen die Politik zu Hilfe: Bedroht sehen sie die Patientenversorgung und sich selbst durch Leistungskürzungen in der häuslichen Krankenpflege.

Die niedrigeren Tarife gelten vorerst zwar nur für etwa zwei Drittel der Kassen-Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern, könnten aber schnell bundesweit Schule machen. «Wenn das umgesetzt wird, droht ein Flächenbrand», sagte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer.

Bezahlung der Pflegekräfte unter Mindestlohn

Er appellierte an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), sich mit der Branche für neue Verhandlungen über kostendeckende Preise mit den Krankenkassen einzusetzen. Die seit dem 1.8.2012 gültige Preisliste führe letztlich zu einer Bezahlung der Pflegekräfte unter Mindestlohn. Die Pflegebranche werde leider «immer nur als Blinddarm des Gesundheitssystems» betrachtet - und finde deshalb - anders etwa als Ärzte - kaum Gehör, klagte Meurer.

Preise bis zu 25 % unter dem bisherigen Niveau

Die abgesenkten Preise für häusliche Krankenpflege sind Ergebnis eines Schiedsspruchs mit Wirkung für die AOK Nordost, der IKK Nord und - noch unter Vorbehalt - für den BKK Landesverband Nordwest. Sie liegen nach Meurers Worten um bis zu 25 % unter dem bisherigen Niveau. «Das hat mit fairem Miteinander und sozialer Verantwortung nichts zu tun», meinte er unter Anspielung auf die wachsenden Kassen-Überschüsse.

Wegen der sich verschlechternden Arbeitsbedingungen sei zu befürchten, dass ohnehin rare Pflegekräfte nun in andere Regionen abwanderten. In Mecklenburg-Vorpommern sind laut bpa in den vergangenen Wochen rund 7.000 Menschen gegen die Leistungskürzungen auf die Straße gegangen. Es gibt dort 430 Pflegedienste mit 6.500 Beschäftigten.

Schlagworte zum Thema:  Häusliche Krankenpflege, Pflegedienst, Krankenkasse

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