| GKV und PKV

Gesetzlich oder privat? Neuer Streit um das Kassensystem

GKV oder PKV - welches ist das bessere System?
Bild: Haufe Online Redaktion

Seit Jahrzehnten bestehen GKV und PKV nebeneinander. Nun ist der Systemstreit um die getrennte gesetzliche und private Krankenversicherung neu entbrannt. Die PKV bangt durch die geplante Bürgerversicherung um ihre Zukunft, ihr Hoffnungsträger ist die Idee der PKV für alle.

Werden Privatpatienten tatsächlich bevorzugt behandelt? Dieser Vorwurf wird oft laut, wenn über das Gesundheitssystem gestritten wird. Die FDP macht sich für mehr Wettbewerb und freien Zugang zur private Krankenversicherung (PKV) für alle stark (s. News v. 27.8.2013). Trotzdem bangt die PKV um ihre Zukunft: SPD, Grüne und Linke halten sie für überholt. Sie wollen die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) stärken und eine Bürgerversicherung einführen, in die alle solidarisch einzahlen.

GKV und PKV haben wenig gemeinsam

Über einen Systemwechsel bei der Krankenversicherung wird derzeit öffentlich nachgedacht. Denn die GKV und PKV sind 2 völlig unterschiedliche Systeme. Sie bestehen seit Jahrzehnten nebeneinander her und sind doch völlig verschieden.

Jedoch hat jedes System sein Vor- und Nachteile. Ein Vergleich:

  • Wie viele Privatversicherte gibt es?

    Insgesamt haben in Deutschland knapp 9 Mio. Menschen eine private Krankenvollversicherung.

  • Wie wird man Privatversicherter?

    Die PKV nimmt nicht jeden. Voraussetzung ist ein vergleichsweise hohes Einkommen von derzeit mindestens 52.200 EUR brutto im Jahr (nur Beamte sind von dieser Einkommensgrenze ausgenommen). Doch selbst Gutverdiener können nicht automatisch Privatversicherte werden: Wer zu viele Vorerkrankungen hat und damit als «schlechtes Risiko» gilt, kann entweder abgelehnt werden oder wird nur mit hohen Risikozuschlägen versichert.

  • Gibt es in der PKV kostenlose Mitversicherung für Familienangehörige?

    Nein. Die Beiträge werden als eine Art Kopfpauschale individuell festgesetzt. Junge Gutverdiener werden oft mit niedrigen Prämien gelockt. Sie steigen mit zunehmendem Alter, häufig auch sprunghaft.

  • Werden PKV-Versicherte beim Arzt bevorzugt behandelt?

    Grundsätzlich schon, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt. Privatpatienten werden in Arztpraxen nicht selten vorgezogen, weil die Mediziner bei ihnen höhere Honorare als bei Kassenpatienten abrechnen können. Kritiker sprechen von einer 2-Klassen-Medizin.

  • Wer ist in der GKV versichert?

    Die GKV versichert jeden, und zwar unabhängig von Gesundheitszustand und Einkommen. Insgesamt sind das etwa 70 Mio. Bürger, davon rund 20 Mio. in der kostenfreien Familienversicherung.

  • Beitragssystem in der GKV

    Die Beiträge bemessen sich am Einkommen. Bis zur Beitragsbemessungsgrenze von jährlich 52.200 EUR müssen GKV-versicherte Arbeitnehmer 8,2 % vom Brutto an die Krankenkassen abführen, der Arbeitgeber 7,3 %. Ein niedriges Einkommen führt also zu einer niedrigen Prämie, ein höheres Einkommen zu einem höheren Beitrag. Der Beitragssatz ist politisch festgelegt und wird von allen Kassen einheitlich erhoben. Die Leistungen sind für alle GKV-Versicherten grundsätzlich gleich.

  • Kritikpunkte an der PKV

    Weil sie nur Beamte und gesunde Gutverdiener versichern, sehen sich die Privatkassen dem Vorwurf der «Rosinenpickerei» ausgesetzt: Leidtragende sei - so die Kritiker - die solidarisch finanzierte GKV. Mit der von SPD, Linken und Grünen angepeilten Bürgerversicherung soll der Abwanderung guter GKV-Beitragszahler ein Riegel vorgeschoben werden.

  • Einmal PKV - immer PKV

    Wer einmal in die PKV übergewechselt ist, kommt nur schwer in die GKV zurück. Möglich ist dies nur, wenn man arbeitslos wird oder einen Job mit einem Einkommen unter der Pflichtversicherungsgrenze annimmt. Eine Rückkehr in eine gesetzliche Kasse ist grundsätzlich nur bis zum Alter von 55 Jahren möglich.

  • Folgen der PKV-Öffnung für alle

    Weil die gesetzlichen Kassen auf Wettbewerbsgleichheit pochen, käme eine Öffnung einem Systembruch gleich: Die Privatkassen müssten auf die Risikoprüfung bei Neuzugängen verzichten. Die Folge ist absehbar: Hohe pauschale Risikozuschläge, die viele nicht bezahlen können.

  • Die Vorteile der PKV

    Anders als die GKV hat die PKV Altersrückstellungen angesammelt zur Abfederung von Beitragssteigerungen für Senioren. Damit trägt die PKV der demografischen Entwicklung Rechnung. Die Rückstellungen liegen bei über 160 Mrd. EUR.

    Machen Sie den Vergleich: Mit der Entscheidungshilfe GKV oder PKV können Sie die Frage des für Sie optimalen Krankenversicherungssystems Punkt für Punkt klären.

Schlagworte zum Thema:  PKV, GKV, Familienversicherung, Bürgerversicherung

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