01.04.2014 | Geburtshilfe

Rückzug freiberuflicher Hebammen

Die Geburtshilfe in Deutschland ist flächendeckend verfügbar
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die von Hebammen erbrachten Leistungen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Auf dem Land und in Kliniken sind Hebammen in Deutschland gut erreichbar. Aber: Freiberufliche Hebammen ziehen sich zunehmend zurück!

Nach Angaben der Bundesregierung gaben die Krankenkassen 2010 rund 431 Millionen EUR für Hebammen aus, 2012 rund 463 Millionen EUR. Nach dem seit kurzem vorliegenden Finanzergebnis habe es 2013 einen neuerlichen Ausgabenzuwachs von 12,4 % gegeben.

Klinikgeburten

Die weitaus meisten Kinder kommen in Deutschland in einer Klinik zur Welt. Die Zahl der außerklinisch geborenen Kinder liegt seit Jahren relativ konstant zwischen rund 1,3 und 1,8 %. So wurden nach Angaben des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) 2012 in Deutschland 665.780 Kinder in Kliniken geboren und 10.164 außerhalb von Kliniken.

Rückzug freiberuflicher Hebammen

Wegen der hohen Kosten für die Berufshaftpflicht ziehen sich derzeit viele freiberufliche Hebammen aus der Geburtshilfe zurück (s. News v. 19.2.2014). Wie die Regierung unter Berufung auf den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in ihrer Antwort schreibt, waren in den Jahren 2006 bis 2011 durchschnittlich etwa 100 Personenschäden pro Jahr zu verzeichnen. Die Zahl der sog. Personengroßschäden über 100.000 EUR pro Jahr liege im Schnitt bei 12. Nach Angaben des GDV betrage der mittlere Schadenaufwand bei Personengroßschäden in der Geburtshilfe 2,6 Millionen EUR, wobei 90 % des Gesamtschadenaufwands auf Großschäden entfielen.

Hebammen in der Geburtshilfestation

Die Zahl der Krankenhäuser mit einer Geburtshilfestation ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Gab es 2003 noch 589 solche Kliniken, lag die Zahl der Krankenhäuser mit einer Fachabteilung für Geburtshilfe 2012 nur noch bei 430, somit 159 weniger.

Geburtshilfe durch Hebammen flächendeckend

Derzeit ist nach Angaben der Regierung die Geburtshilfe in Deutschland flächendeckend verfügbar. Eine unterdurchschnittliche Versorgung im ländlichen Raum lasse sich aus den vorliegenden IGES-Zahlen nicht ableiten. Allerdings gebe es regionale Unterschiede in der Erreichbarkeit des nächsten Krankenhauses. So liege die durchschnittliche Entfernung zum nächsten Krankenhaus mit Geburtshilfeabteilung in „Kernstädten“ bei rund 2 Kilometern, im ländlichen Umland und im ländlichen Raum bei mehr als 9 Kilometern.

Erreichbarkeit der Hebammen

Wie die regionale Analyse weiter ergab, lag die „Reichweite der Hebammen“ in der außerklinischen Versorgung in 60 % der 412 Kreise im Schnitt zwischen 8 und 12 Kilometern pro Einzelstrecke. In einigen Kreisen habe die gefahrene Strecke für eine einfache Fahrt zwischen 16 und 20 Kilometern gelegen. Nur in einem Kreis war die durchschnittliche gefahrene Strecke länger als 20 Kilometer.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Haufe SGB Office.

Schlagworte zum Thema:  Hebamme, Geburtshilfe, Haftpflichtversicherung

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