01.10.2014 | Organtransplantation

Führt die Prüfung der Organvergabe zu mehr Organspenden?

Kliniken werden bei der Organvergabe stärker überwacht.
Bild: BZgA

Zum zweiten Mal nach dem Organspende-Skandal in Göttingen wurden Transplantationen an deutschen Kliniken geprüft. Das Ergebnis: Bei der Organvergabe haben die Prüfer nur eine systematische Manipulation entdeckt. Die Prüfer hoffen nun auf mehr Organspenden.

Dabei entdeckten sie mit dem Deutschen Herzzentrum in Berlin erneut ein schwarzes Schaf: In bisher 14 Fällen haben Ärzte dort Patientendaten systematisch manipuliert, um den Schwerkranken bessere Chancen auf ein Spenderorgan zu eröffnen, berichtete die Prüfungskommission am 30.9.2014. Die Klinik hatte sich schon selbst angezeigt.

Kontrolle der Organvergabe in Kliniken lässt auf mehr Organspender hoffen

Zu dieser schlechten Nachricht kommt aber auch eine gute: Nach Einschätzung der Kontrolleure gab es bei allen anderen überprüften Kliniken nur wenige, kleine Fehler - und keine absichtlichen Täuschungen.

Damit verbinden die Prüfer die Hoffnung, dass die Bundesbürger wieder mehr Vertrauen in die Organvergabe fassen - und auch wieder mehr Organe spenden. Denn die entdeckten Manipulationen und die Organspende sind fatal miteinander verknüpft. Seit den Ermittlungen und Berichten hat die Organspende-Bereitschaft in Deutschland einen drastischen Tiefstand erreicht.

Deutlich stärkere Überwachung der Aufnahme auf Organ-Wartelisten

«Mehr Transparenz ist da», betonte Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer. Statt eines Arztes wache heute ein 8- bis 12-Augensystem über eine Aufnahme auf Organ-Wartelisten.
Lilie geht davon aus, dass Kliniken Krankenakten im Nachhinein nicht «frisieren» können, um Manipulationen zu verbergen. So ergebe sich durch die Prüfungen ein realistisches Bild. «Ein ganz positives Fazit», urteilt Anne-Gret Rinder, Vorsitzende der Prüfungskommission der Bundesärztekammer. Allerdings können die Prüfer nur Stichproben machen. Die Juristen im Kontrollteam geben auch offen zu, dass sie auf den Sachverstand von Ärzten angewiesen sind, die Ärzte kontrollieren.

Zu wenig Spendeorgane erzeugt Druck auf Organvergabe
Das Grundproblem, das es bereits vor dem Skandal gab, ist aber ein anderes - und es bleibt: Es gibt viel zu wenige Spenderorgane. Wären es mehr, würde der Druck auf eine schwierige ethische Frage gemindert: Welcher schwerst kranke Patient darf weiterleben? Und wer muss trotz Dringlichkeitslisten und guten Erfolgsaussichten sterben?
Über die Gründe für die nachgewiesenen Manipulationen an Kliniken können die Kontrolleure bisher auch nur rätseln. Die Frage nach dem Warum habe sich auch beim Deutschen Herzzentrum bisher nicht klären lassen, sagte Anne-Gret Rinder. Die Klinik hatte sich bereits im August nach Kontrollen selbst bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die ermittelt bereits wegen versuchten Totschlags.

Privatpatienten wurden bei Organvergabe nicht bevorzugt
Nur soviel ist bisher klar: Privatpatienten wurden nicht bevorzugt. Sechs Patienten bekamen zeitweise unnötig hoch dosierte Medikamente, damit sie besser in die Raster der Warteliste auf Organe passten. Wenn Kliniken Vorteile haben, kann es eher um Karrieren oder Transplantationszahlen gehen. Vielleicht auch manchmal um Mitleid mit Patienten.
Inzwischen hat der Mangel an Organen zur Folge, dass mehr gesunde Menschen zu ihren Lebzeiten spenden - zum Beispiel eine Niere.

Schlagworte zum Thema:  Organspende, Organe, Klinik

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