07.12.2011 | Leistungen Sozialversicherung

Elektronische Gesundheitskarte: Ärzte wollen nicht online sein

Die Ärzte machen Front gegen die Online-Anbindung der neuen Gesundheitskarte. Sie fürchten zusätzliche Bürokratie und Missbrauch.

Seit einigen Wochen wird von den gesetzlichen Krankenkassen die neue elektronische Gesundheitskarte (eGK) ausgegeben. Sie soll das Gesundheitswesen effizienter machen.

Im Gegensatz zur bisherigen Krankenversichertenkarte verfügt die eGK über einen Mikroprozessorchip, der Informationen verarbeiten kann. Damit kann der Karteninhaber sicher identifiziert werden, und die sensiblen Daten können auf erheblich höherem Sicherheitsniveau verschlüsselt werden. 

Kassen wollen die Einführung beschleunigen

Doch die jetzt verteilte Version der eGK nutzt diese zusätzlichen Möglichkeiten nicht. Denn Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und Krankenkassen sind nicht vernetzt - die Karte ist offline. Die Krankenkassen wollen die Onlineanbindung allerdings forcieren, denn damit würde für Versicherte und Krankenkassen vieles einfacher. Ein Beispiel ist der Zuzahlungsstatus: Hat ein Versicherter keine Zuzahlungen zu leisten, kann diese Information auch unterjährig online bei jedem Besuch etwa in der Apotheke abgerufen werden. Entsprechendes gilt für die Versichertenstammdaten.

Die Krankenkassen wollen die Onlineanbindung und das Versicherten-Stammdatenmanagement beschleunigt einführen, denn so könnten die Daten ständig aktuell gehalten werden.

Ärzte sehen Bürokratie und Missbrauchsgefahren

Davon halten weite Teile der Ärzteschaft offenbar nicht sehr viel. Die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung sollte entsprechenden Bestrebungen der Betreibergesellschaft entgegentreten, fordert die Freie Ärzteschaft. Auch die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg rät, die Pläne zur beschleunigten Einführung zurückzuweisen.

Im Durchschnitt müssten Praxen pro Quartal rund 1.500 Abgleichvorgänge durchführen, um geschätzte 35 Fälle mit tatsächlichem Änderungsbedarf zu erledigen. Das halten die Ärzte für unverhältnismäßig. Außerdem sieht Wieland Dietrich, Vizepräsident der Freien Ärzteschaft, in der Onlineanbindung den Türöffner für den Missbrauch hochsensibler Daten.

Beschluss soll noch 2011 gefasst werden

In der gemeinsamen Betreibergesellschaft gematik sind die eGK-Kostenträger gemeinsam vertreten. Sie will Anfang Dezember einen Beschluss zur schnelleren Einführung des Onlineverfahrens fassen. Dies erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass die bisher investierten Kosten in die neue Karte nur dann Sinn machen, wenn auch ein erweiterter Nutzen gegenüber dem bisherigen Kartenverfahren gegeben ist. Aus guten Gründen ist die Onlinefähigkeit der neuen eGK bereits im Gesetz vorgegeben (§ 291a SGB V).

Ob es sinnvoll ist, bei jedem neuen Schritt die immer gleichen Bedenken reflexhaft voranzustellen, mögen die Beteiligten selbst abwägen. Verständnis für die permanenten Blockadehaltungen bei längst ausdiskutierten und politisch entschiedenen Themen darf aber nicht länger erwartet werden – gerade angesichts der bisherigen Kosten.

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