08.05.2014 | Top-Thema eGK: Ein Blick auf die neue Versichertenkarte

Die eGK und ihre Daten

Kapitel
eGK im Zusammenhang mit Versichertendaten
Bild: MEV-Verlag, Germany

Entgegen vieler Befürchtungen werden auf der eGK aktuell lediglich sog. Versichertenstammdaten, aber keine medizinischen Daten, gespeichert. Dies sind Daten, die meist auch auf der KVK hinterlegt wurden. Hierzu gehören bspw. Name und Adresse des Versicherten und seine Kassenzugehörigkeit, der Versichertenstatus und die Teilnahme an Disease-Management-Programmen.

Neu hinzugekommen sind Möglichkeiten der Speicherung von Zuzahlungsstatus und Angaben dazu, ob der Versicherte für ambulante oder stationäre Behandlung Kostenerstattung gewählt hat. Beides wird derzeit aber noch nicht genutzt.

Bestimmte Stammdaten besonders geschützt

Wie bei der KVK können derzeit alle Versichertenstammdaten der eGK ohne Weiteres ausgelesen werden. Allerdings nur im Rahmen einer Übergangsfrist.
Diesbezüglich wurde Einvernehmen mit dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) erzielt. Sobald die Telematikinfrastruktur bundesweit genutzt werden kann und die für deren Nutzung erforderlichen Komponenten bei den Ärzten bereitstehen, wird sich dies ändern. Dann können bestimmte Daten nur bei gleichzeitiger Anwesenheit des elektronischen Heilberufsausweises der Ärzte dargestellt werden. Dabei handelt es sich um den Zuzahlungsstatus, die Zugehörigkeit zu einer besonderen Personengruppe und die Teilnahme an einem Disease-Management-Programm.

Medizinische Daten

Medizinische Daten können erst künftig gespeichert werden. Hierzu zählen z. B. Daten, die behandelnden Ärzten im Notfall schnell wichtige medizinische Informationen zum Patienten liefern können.
Unabhängig davon, ob medizinische Daten auf der eGK oder in speziell gesicherten Diensten innerhalb der Telematikinfrastruktur gespeichert werden, gilt immer: Die Speicherung von medizinischen Daten kann ausschließlich nach der ausdrücklichen Einwilligung der Versicherten erfolgen. Dazu werden auf technischem Wege entsprechende Sicherheitsmaßnahmen geschaffen. Z. B., dass zur Speicherung medizinischer Daten zuvor die Eingabe einer nur dem Versicherten bekannten PIN erforderlich ist.

Die neue Krankenversichertennummer ist ein Muss!

Damit Gesundheitskarten überhaupt ausgegeben werden können, müssen Versicherte über eine sogenannte neue Krankenversichertennummer (KVNR) verfügen. Im Gegensatz zur alten KVNR bleibt diese grundsätzlich ein Leben lang gültig. Auch beim Wechsel der Krankenkasse. Denn die neue KVNR wird mittels eines aus der Kryptologie stammenden Verfahrens aus der Rentenversicherungsnummer (RVNR) gebildet. Nach derzeitigem Stand der Technik kann die ursprüngliche RVNR aus der neuen KVNR nicht wieder zurückgerechnet werden. Sie wird von der «Vertrauensstelle Krankenversichertennummer» (VST) vergeben. Daher ist die KVNR unabhängig von der Krankenkasse des Versicherten. Mittlerweile verfügen fast alle Versicherten in Deutschland über eine neue Krankenversichertennummer.

Hinweis: Verzögerung
Gerade bei Neugeborenen oder aus dem Ausland hinzugezogenen neuen Versicherten kann es bis zu ihrer Vergabe etwas dauern. Denn vorher müssen sie eine RVNR erhalten, wofür die Krankenkassen zunächst bestimmte Geburtsinformationen benötigen. Besonders bei Neugeborenen verzögert sich die Ausstellung wegen der einzureichenden Geburtsurkunde.


Dürfen Krankenkassen Sozialdaten weitergeben?

An dem Ausgabeprozess der Gesundheitskarte sind verschiedene Dienstleister beteiligt. Aber sind Krankenkassen überhaupt dazu berechtigt, Sozialdaten an diese Dienstleister weiterzugeben? Das dürfen sie durchaus. Nämlich dann, wenn bei ihnen ansonsten Störungen im Betriebsablauf entstehen könnten. Oder, wenn die Dienstleistung durch den Auftragnehmer wesentlich günstiger als bei eigener Umsetzung erbracht werden kann. Gerade letzteres ist für die Produktion der eGK maßgeblich, denn die Produktionsprozesse sind komplex und unterliegen hohen Sicherheitsauflagen. Ohne darauf spezialisierte Unternehmen ist die Produktion von Gesundheitskarten kaum denkbar. Für die sog. Auftragsdatenverarbeitung gelten aber strenge Regeln. In jedem Fall ist diese der für die Krankenkasse zuständigen Aufsichtsbehörde zuvor schriftlich anzuzeigen.

Pflicht- und freiwillige Anwendungen

Im Gesetz wird unterschieden zwischen sog. Pflichtanwendungen und freiwilligen Anwendungen. Wie der Name schon sagt, sind Pflichtanwendungen für jeden Versicherten verbindlich. Hierzu zählen die Bereitstellung von Versi chertenstammdaten mittels der eGK, die Nutzung elektronischer Verordnungen sowie die Darstellung der Europäischen Krankenversicherungskarte auf der Rückseite der eGK. Bei den freiwilligen Anwendungen handelt es sich um Anwendungen oder Funktionen, die mit medizinischen Daten der Versicherten in Zusammenhang stehen.

Schlagworte zum Thema:  Sozialdaten, Elektronische Gesundheitskarte, Mitwirkungspflicht, EGK, Kostenerstattung, Krankenkasse, Telematikinfrastruktur

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