08.05.2014 | Top-Thema eGK: Ein Blick auf die neue Versichertenkarte

Aktueller Sachstand zur Ausgabe der eGK

Kapitel
Aktueller Stand um die eGK
Bild: Comstock Images, a division of JupiterImages Corporation

Seit dem 1.1.2014 ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK) grds. der einzige gültige Versicherungsnachweis für die Inanspruchnahme von Leistungen über die gesetzlichen Krankenkassen. Entsprechende Vereinbarungen wurden letztes Jahr zwischen dem GKV-Spitzenverband (GKV-SV), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sowie der Kassenzahnärzlichen Bundesvereinigung (KZBV) geschlossen.

Übergangsfrist bis 30.9.2014

Die seit 1995 verwendeten Krankenversichertenkarten (KVK) wurden mit der eGK abgelöst. Fest steht: Ärzte und Zahnärzte können im Rahmen einer Übergangsfrist bis zum 30.9.2014 auch die alte KVK akzeptieren. Ein Anspruch darauf besteht jedoch nicht. Und so zeigt sich, dass mittlerweile viele Ärzte ungeachtet der Übergangsfrist auf eine Vorlage der eGK bestehen. Daher und insbesondere auch wegen der medialen Berichterstattung im Vorfeld haben viele Versicherte Anfang 2014 die Abgabe eines für ihre eGK erforderlichen Lichtbildes nachgeholt.

Erstausgabeprozess ist abgeschlossen

Rund 95 % der Mitglieder und Familienangehörigen der gesetzlichen Krankenversicherungen verfügen mittlerweile über eine eGK. Die meisten der übrigen Versicherten haben bisher nicht auf ihre erhaltene Bildanforderung reagiert. Eine Ursache dafür könnte sein, dass sie noch über eine gültige Krankenversichertenkarte verfügen.
Die Wenigsten verweigern sich aber aktiv, ein Bild an die Krankenkasse abzugeben. Der Anteil dieser Versicherten beträgt weniger als 1 %. Aufgrund der hohen Ausgabe- und geringen Verweigererquote sehen die Krankenkassen den Erstausgabeprozess der eGK als abgeschlossen an.

Von der Idee bis zur Einführung

Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Zwar sprachen sich Politik und Spitzenorganisationen bereits 2002 gemeinsam für den verstärkten Einsatz von Telematikanwendungen im Gesundheitswesen aus. Es vergingen aber bis zum Start des Rollouts der eGK in 2011 mehr als 9 Jahre. Und das, obwohl deren Einführung bereits zum 1.1.2006 erfolgen sollte.

Ziel der eGK

Rückblickend betrachtet, war dieses Einführungsdatum aufgrund der Komplexität des Gesamtprojektes sehr ambitioniert. Immerhin geht es weniger darum, lediglich eine neue Kartentechnologie als Ersatz für die bisher verwendete zu etablieren. Vielmehr steht der Aufbau einer hoch sicheren und hoch verfügbaren Infrastruktur – der Telematikinfrastruktur - im Fokus. Ihr Ziel: Beteiligte Institutionen und Akteure des deutschen Gesundheitswesens – z. B. Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen – miteinander zu vernetzen. Hierdurch wird ein einrichtungsübergreifender Datenaustausch im Gesundheitswesen ermöglicht. Es sollen u. a. die
• Qualität der medizinischen Versorgung verbessert,
• Eigenverantwortung und Mitwirkungsbereitschaft von Patienten gestärkt und
• Wirtschaftlichkeit und Leistungstransparenz im Gesundheitswesen gesteigert
werden. Auch die missbräuchliche Inanspruchnahme medizinischer Leistungen könnte damit eingedämmt werden.

eGK bedeutet Kompromisse

Der lange Zeitraum – von 2002 bis zum Abschluss der Einführung der eGK – hat neben der technischen Komplexität auch andere Ursachen. So ist z. B. den unterschiedlichen Belangen von Kostenträgern und Leistungserbringern ausreichend Rechnung zu tragen.
Innerhalb der gematik, der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH, sind sie über deren Gesellschafter, dem GKV-Spitzenverband (als Kostenträgerseite) und verschiedenen Organisationen der Leistungserbringer vertreten.
Der GKV-Spitzenverband einerseits und die Gesamtheit der Leistungserbringerorganisationen andererseits verfügen dabei jeweils über 50 % Stimmenanteil. Gesellschafterbeschlüsse müssen aber mit einer Mehrheit von 67 % gefasst werden. Viel Zeit verging daher allein für das Finden geeigneter Kompromisse. Daher wurde 2010 auch die Möglichkeit der Anrufung eines Schlichters eingeräumt. Dieser hat die Aufgabe, bei Konflikten zwischen den Gesellschaftern der gematik zu vermitteln. Ein Instrumentarium, das mittlerweile recht häufig genutzt wird.

Probleme bei der Nutzung der eGK

Bei der Anwendung der eGK in Arztpraxen oder Krankenhäusern kam es gerade zu Beginn der Erstausgabe zu technischen Problemen. Meist lag dies jedoch nicht an fehlerhaften Karten. Eher lagen die Ursachen in der Implementierung der technischen Leistungsmerkmale der neuen Karte in die vorhandenen EDV-Systeme von Arztpraxen und Krankenhäusern. So kam es beispielsweise gerade am Anfang der Kartenausgabe vermehrt zu Berichten, eingelesene Gesundheitskarten seien lediglich noch bis zum Ende des nächsten Quartals gültig.

eGK ohne Gültigkeitsende

Im Gegensatz zur KVK sieht aber die eGK das Speichern eines Gültigkeitsendes nicht mehr vor. Allein aufgrund ihrer Zertifikate ist die eGK derzeit im Regelfall max. 5 Jahre nutzbar. Lediglich Versicherungsbeginn und – wenn vorhanden – Versicherungsende werden auf der Karte gespeichert. Von einigen Praxisverwaltungssystemen wurde das Fehlen eines gespeicherten Versicherungsendes jedoch fehlinterpretiert. Mittlerweile wurde dieses Problem aber bereinigt. Rückblickend betrachtet, ist letztlich kein Fehler aufgetreten, der die bisherige Spezifikation der eGK berührte und zu einer Anpassung dieser hätte führen müssen.

Test zur Online-Aktualisierung

Gesundheitskarten können künftig online aktualisiert oder gesperrt werden. Die ersten Tests dazu sollen Ende des Jahres 2014 in ausgewählten Regionen beginnen. Die Speicherung eines expliziten Gültigkeitsendes auf den Karten ist daher nicht mehr erforderlich. Das Versicherungsende kann so bei Bedarf jeder Zeit durch Online-Aktualisierung auf die Karte gebracht werden.

Schlagworte zum Thema:  Elektronische Gesundheitskarte, Mitwirkungspflicht, EGK, Kostenerstattung, Krankenkasse, Telematikinfrastruktur

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