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Der IGeL-Monitor – Selbstzahler werden aufgeklärt

Der Aufschrei der Ärzteschaft ließ nicht lange auf sich warten. Denn das neue Internetportal zur Beurteilung von medizinischen Selbstzahler-Leistungen bewertet die meisten Angebote negativ.

Wird mit dem Angebot eine Lücke geschlossen, die von der Regierungskoalition mit dem neuen Patientenrechtegesetz hinterlassen wird? Ein klares JA kommt dazu aus dem Mund von Doris Pfeiffer, Chefin des Spitzenverbands der Kassen. Damit Patienten nicht über den Tisch gezogen werden, fordert sie eine Einwilligungsfrist von 24 Stunden, quasi eine „Bedenkzeit“ für die Patienten. Im Entwurf zum Patientenrechtegesetz sei zu den IGeL ja kaum etwas zu finden.

Bewertung der IGeL-Leistungen in 5 Stufen

Spreu vom Weizen trennen - das will das neue Internetportal www.igel-monitor.de. Betrieben wird es vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). Es will eine Entscheidungshilfe zu den häufigsten IGeL-Angeboten sein. Die Informationen sind wissenschaftlich abgesichert. Alle bekannten medizinischen Studien werden dazu auf dem neuesten Stand ausgewertet und jede einzelne IGeL-Leistung danach in 5 Stufen bewertet.

Transparenz bei der Notenvergabe

Von den insgesamt rund 360 verfügbaren IGeL-Angeboten sind zum Start erst 24 erfasst. Die Internet-Liste soll aber ständig erweitert werden. Insgesamt bewertete der MDS 4 IGeL als durchweg „negativ“ und 7 als „tendenziell negativ“. Der Nutzwert von 7 weiteren Angeboten wird als „unklar“ bezeichnet. Nur 2 Angebote bekommen die Bewertung „tendenziell positiv“.

Ausführliche Information und Alternativen-Nennung

Leser, die fachlich weiter einsteigen wollen, finden sehr ausführliche Darstellungen. Wie die jeweilige Bewertung entstanden ist, wird dadurch transparent und nachvollziehbar erläutert. Weiterhin werden nicht nur Preisspannen genannt, sondern auch entsprechende Leistungen, die alternativ von den Krankenkassen bezahlt werden.

Meilenstein auf dem Weg zum mündigen Patienten

Der IGeL-Monitor ist sicher eine volle Breitseite gegen die Ärzteschaft. Es entsteht der erste Eindruck, dass Ärzte bei diesen Angeboten primär aus wirtschaftlichen Interessen handeln, scheinbar ohne Rücksicht auf den Patientennutzen und mögliche Schäden. Künftig müssen sich Ärzte wohl oder übel auf mehr Nachfragen von Versicherten einstellen.

Jedenfalls sind erste moderate Töne zu hören: So hat Bundesärztekammerpräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery die Ärzte inzwischen dazu aufgerufen, die IGeL-Regeln des Ärztetags zu beachten. Die Empfehlungen sollen Ärzten helfen, "die Leistungen seriös und verantwortungsvoll anzubieten". Dazu gehöre es, einem Patienten nach dem Angebot Bedenkzeit zu geben.

Eigenes Gütesiegel der Ärzte?

Eher hilflos wirkt der Versuch, den schwarzen Peter an die Kassen zurückzuspielen: Montgomery verweist darauf, dass zu den IGeL-Angeboten auch Sportuntersuchungen, Schulatteste oder Reiseimpfungen gehören, die von den Krankenkassen heute nicht mehr bezahlt werden. Inhaltlich ist das richtig, macht aber nur einen verschwindend geringen Anteil der IGeL aus. Nicht wenige Ärzte propagieren bereits, ein eigenes Gütesiegel oder einen Katalog auf Bundesebene zu schaffen.

Wie auch immer – zahlen muss so oder so der Patient.

Hintergrund

Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL genannt, sind Leistungen, die für den einzelnen Versicherten wünschenswert, sinnvoll oder angenehm sein dürften, die aber das Maß des medizinisch Notwendigen überschreiten. IGeL dürfen von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden. Versicherte können diese Leistungen selbstverständlich in Anspruch nehmen, allerdings lediglich auf private Rechnung.

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