Corona: Krankschreibung per Telefon als Ausnahme bei Erkältung

Ist man selbst oder das Kind erkältet, greift derzeit eine Sonderregelung zum Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä). Ärzte dürfen nach telefonischer Anamnese gesetzlich Versicherte krankschreiben oder die notwendige Betreuung des erkrankten Kindes bestätigen. Dies entlastet das Gesundheitswesen und die Versicherten in der aktuellen Situation. 

Am 9.3.2020 vereinbarten der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit zustimmender Kenntnisnahme des Bundesministeriums für Gesundheit, die geltenden Regelungen zur Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (§ 31 BMV-Ä) zur Vermeidung bzw. Reduktion der Keimverbreitung des COVID-19-Virus sowie zur Entlastung bzw. zur Aufrechterhaltung der Regelversorgung bei ohnehin schon ausgelasteten Vertragsarztpraxen anzupassen. Mit einem Zusatz zu dieser Vereinbarung verständigten sich die beiden BMV-Partner am 11.3.2020 darauf, dass die Sonderreglung auch für die Ausstellung einer ärztlichen Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes (sogenanntes Muster 21) gilt. Die Vereinbarungen gelten zunächst für vier Wochen.

Für wen greift die Sonderregelung?

Gesetzlich Versicherte können aktuell eine Bescheinigung über ihre Arbeitsunfähigkeit (AU-Bescheinigung, Muster 1) auch nach telefonischer Anamnese des Vertragsarztes erhalten. Die Regelung gilt für Personen, die an leichten Erkrankungen der oberen Atemwege erkrankt sind und keine schwere Symptomatik vorweisen oder Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) für einen Verdacht auf eine Infektion mit COVID-19 erfüllen. Die Voraussetzungen für die telefonische Ausstellung gelten auch für die Ausstellung einer ärztlichen Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes (Muster 21).

Für welchen Zeitraum kann der Arzt krankschreiben?

Die AU-Bescheinigung beziehungsweise die ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes darf für maximal sieben Tage ausgestellt werden.

Wie kommt der Arzt an die Versichertendaten?

Ist die erkrankte Person bereits Patient in der Arztpraxis, liegen die Versichertendaten dort bereits vor und werden ggf. nur auf Aktualität geprüft. Konsultieren Versicherten erstmalig die Praxis telefonisch, haben sie ihre Versichertendaten mitzuteilen und ihre Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse mündlich zu bestätigen. Angaben, die die Ärzte für die Abrechnung ihrer Leistungen benötigen sind 

  • Name, Vorname und das Geburtsdatum des Versicherten,
  • Anschriftendaten.
  • Krankenversichertennummer sowie 
  • Name der Krankenkasse.

Im Falle der Erkrankung des Kindes sind die Angaben für das erkrankte Kind notwendig.

Damit entfällt die Notwendigkeit, dass Betroffene später doch noch in die Praxis kommen müssen, nur um ihre elektronische Gesundheitskarte vorzulegen.

Was kann der Arzt abrechnen?

Das Ausstellen der AU-Bescheinigung ist Teil der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale. Dies gilt ebenso für die telefonische Ausstellung. Hierfür muss der Patient jedoch mindestens einmal in dem Quartal in der Praxis gewesen sein. War der Patient in dem Quartal noch nicht in der Arztpraxis, können die Vertragsärzte die Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 (88 Punkte/9,67 Euro) abrechnen. Für das Porto zur Übersendung des „gelben Scheins“ an den Versicherten ist jeweils die GOP 40122 (0,90 Euro) berechnungsfähig.

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