| Cannabis als Kassenleistung

Gesetzentwurf zu Cannabis auf Rezept

Cannabis hilft einigen Schmerzpatienten, bei denen andere Schmerzmittel versagen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Bald soll es Cannabis für Schmerzpatienten in der Apotheke auf Rezept geben. Nach einer jahrelangen Diskussion brachte brachte das Bundeskabinett am 4.5.2016 einen Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf den Weg.

Der CDU-Politiker sagte dazu: "Wir wollen, dass für Schwerkranke die Kosten für Cannabis als Medizin von ihrer Krankenkasse übernommen werden, wenn ihnen nicht anders geholfen werden kann". Eine generelle Cannabisfreigabe lehnt die Regierung jedoch ab. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) sagte: "Cannabis ist keine harmlose Substanz. Daher darf es auch keine Legalisierung zum reinen Privatvergnügen geben."

Aufgaben der Staatlichen Cannabisagentur

Patienten ohne therapeutische Alternative sollen getrocknete Cannabisblüten und -extrakte erhalten. Dafür soll der Anbau möglich gemacht werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte soll als staatliche Cannabisagentur fungieren. Diese soll das medizinische Cannabis laut Gesetzentwurf an Hersteller von Cannabis-Arzneimitteln, Großhändler oder Apotheken weiterverkaufen. Bis es den geplanten staatlich kontrollierten Anbau in Deutschland gibt, soll die Versorgung mit Importen gedeckt werden.

Bislang haben rund 650 Patienten eine Ausnahmeerlaubnis für Cannabisblüten und -extrakte aus der Apotheke. An die vorgesehene generell mögliche Erstattung sollen aber wissenschaftliche Begleitstudien geknüpft werden.

Einer Zeitung sagte Gröhe, es sei wahrscheinlich, dass das Gesetz spätestens im Frühjahr 2017 in Kraft treten könne.

Cannabinoide helfen, wo andere Schmerzmittel versagen

Die Deutsche Schmerzgesellschaft begrüßte das Vorhaben. Cannabinoide könnten für ausgewählte Patienten hilfreich sein, allerdings wirkten sie in vielen Fällen nur sehr schwach schmerzlindernd. "Bemerkenswert ist, dass in Einzelfällen speziell ausgewählte Patienten, bei denen die gebräuchlichen Schmerzmittel versagen, von der Anwendung der Cannabinoide sehr stark profitieren", so der Präsident der Schmerzgesellschaft, Michael Schäfer. Dies betreffe etwa Patienten mit multipler Sklerose, Querschnittslähmung oder Nervenverletzung. Auch Aids- oder Krebspatienten bekommen entsprechende Produkte.

Politische Stimmen zum Cannabis-Rezept

Die Grünen warfen der Regierung vor, das Thema weiter mit Scheuklappen anzugehen. "Die Vorschläge von Gesundheitsminister Gröhe verbessern die Behandlungssituation von Betroffenen nur minimal", kritisierten die Abgeordneten Katja Dörner und Harald Terpe. Denn cannabishaltige Medikamente solle es nur geben, wenn die Betroffenen andere Behandlungsformen erfolglos ausprobiert haben und sich für die Forschung zur Verfügung stellen. Der Linken-Drogenpolitiker Frank Tempel sagte, er sehe dieses "Eigenanbauverhinderungsgesetz" mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) begrüßte den Gesetzentwurf, betonte aber: "Die missbräuchliche Verwendung von Cannabis-Arzneimitteln muss weiterhin ausgeschlossen werden."
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte: "Stimmt das Parlament zu, endet für hunderte Betroffene der Spießrutenlauf durch die Bürokratie. Damit wird die illegale private Hanfplantage für Kranke endlich Vergangenheit."

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

Cannabis-Therapie auf Kosten der Krankenkasse

Ärzte unzureichend informiert über Wirkung von Medikamenten

Schlagworte zum Thema:  Apotheke, Rezept, Drogen

Aktuell

Meistgelesen