09.07.2013 | Bundesagentur für Arbeit

Innenrevision bemängelt die Arbeitsvermittlung

Die Bundesagentur für Arbeit kommt nicht aus der Schusslinie.
Bild: Bundesagentur für Arbeit / www.arbeitsagentur.de

Die Bundesagentur für Arbeit wird erneut scharf kritisiert: Die Innenrevision macht Druck, da sie "schwere Mängel" bei der Vermittlung von Arbeitsuchenden festgestellt. Zudem fehle den Arbeitsagenturen das nötige Finanzpolster für die nächste Krise.

Erst warf der Rechnungshof der Bundesagentur für Arbeit (BA) Fehlsteuerungen bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen vor. Jetzt kritisiert auch die eigene Innenrevision die Arbeitsagenturen: es wurden Fehler bei Arbeitsvermittlungen gemacht. Ein BA-Verwaltungsratsmitglied weist noch auf eine andere Baustelle hin: Der BA fehle Geld für eine mögliche kommende Krise.

Führungsspitze der BA gerät unter Druck

In der Debatte um eine angeblich mangelhafte Arbeitsvermittlung von ist die Führung der BA erneut unter Druck geraten. Die Innenrevision der Nürnberger Bundesbehörde sei auf "schwere Mängel" bei der Vermittlung von Arbeitsuchenden gestoßen, so das Nachrichtenmagazin Spiegel. Erst jüngst hatte der Rechnungshof der Behörde Fehlsteuerungen bei der Vermittlung von Arbeitslosen vorgeworfen.

Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise wies die Vorwürfe am 7.7.2013 erneut zurück.

Keine passenden Vermittlungsvorschläge
Im Prüfbericht wird u. a. kritisiert, dass die Arbeitsagenturen Arbeitsuchenden häufig keine "passgenauen Vermittlungsvorschläge" vorlegen. Auch bei den Eingliederungshilfen erschienen 49 % mangels ordnungsgemäßer Dokumentation nicht plausibel. Wegen der fehlenden Transparenz bestehe das Risiko, "dass die Notwendigkeit (…) ggf. nicht gegeben und damit die Teilnahme an der Maßnahme nicht zulässig war".

Wenig Unterstützung für Ausbildungsplatzsuchende

Die Prüfer stellten auch Missstände beim Umgang mit Stellengesuchen von jungen Menschen fest. Fast die Hälfte der Gesuche nach einem Ausbildungsplatz wurde demnach nur intern oder gar nicht veröffentlicht. Sie waren dadurch für Ausbildungsbetriebe nicht einsehbar. Dies konnte in 93 % der Fälle nicht plausibel begründet werden, stellte die Revision fest.

Vorwürfe sind "nichts Neues"

BA-Chef Weise reagierte auf die Veröffentlichung von diesen altbekannten Vorwürfen (s. News v. 24.6.2013) mit dem Hinweis, dass die die BA längst reagiert habe. Auch der Bundesrechnungshof habe zwischenzeitlich anerkannt, dass das Steuersystem der BA bei der Arbeitsvermittlung weiterentwickelt worden sei, angepasst an die aktuellen Bedingungen des Arbeitsmarktes. Kernelement sei eine intensive Betreuung von Jobsuchern.

Schlechte Dokumentation = schlechte Vermittlung?

Ein BA-Sprecher räumte am 7.7.2013 auf Anfrage ein, dass manche Vermittler nicht immer lückenlos ihre Arbeit dokumentierten. Dies sei aber nicht gleichbedeutend mit Fehlern bei der Vermittlung. Wurden Lehrstellengesuche nicht veröffentlicht, wäre dies häufig auf ausdrücklichen Wunsch der Betroffenen hin. Ein Grund dafür könne sein, dass jemand noch eine Arbeitsstelle habe und der Arbeitgeber nichts über die Bewerbung erfahren solle.

Rücklagen der BA schrumpfen schnell
Teile des BA-Verwaltungsrates sind in Sorge um die finanzielle Zukunft der Bundesagentur. Der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollgremiums, Peter Clever, sieht die BA nicht ausreichend für eine neue Wirtschaftskrise gerüstet. Bis Jahresende werden die in guten Jahren gebildeten BA-Rücklagen auf 1,7 Mrd. EUR schrumpfen. "Aber schon bei einer mittleren Krise wird die Bundesagentur zur Finanzierung von Kurzarbeit und anderen Arbeitsmarktprogrammen zwischen 8 bis 11 Mrd. EUR benötigen", sagte Clever der dpa. Dagegen sieht die Bundesregierung die BA "finanziell nachhaltig stabil aufgestellt".

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsvermittlung, Arbeitsagentur, Eingliederungshilfe, Langzeitarbeitslosigkeit

Aktuell

Meistgelesen