16.02.2017 | Serie Was bedeutet dieser Begriff der Sozialversicherung?

Kinderkrankengeld

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Ist es nach ärztlichem Zeugnis erforderlich, dass Eltern zur Beaufsichtigung ihres kranken Kindes der Arbeit fernbleiben erhalten sie Kinderkrankengeld.
Bild: Haufe Online Redaktion

Berufstätige Eltern, die ihrer Arbeit fernbleiben, da sie ihr erkranktes Kind versorgen und pflegen, erleiden oft einen Einkommensverlust. Unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe können diese finanziellen Einbußen durch das Kinderkrankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung aufgefangen werden?

Nach der aktuellen Rechtsprechung haben Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch auf bis zu fünf Tage bezahlten Sonderurlaub pro Kalenderjahr, wenn sie wegen der Betreuung ihres erkrankten Kindes nicht arbeiten können (§ 616 BGB). Ist dieser Anspruch ausgeschlossen (zum Beispiel durch den Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder aufgrund einer betrieblichen Vereinbarung) oder für das laufende Kalenderjahr bereits ausgeschöpft, sind Arbeitgeber verpflichtet eine unbezahlte Freistellung zu gewähren. Bei Erfüllung der Voraussetzungen können Arbeitnehmer gleichzeitig Kinderkrankengeld nach § 45 SGB V beanspruchen.

Wichtig: Kinderkrankengeld ist eine Entgeltersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Daher müssen sowohl der freigestellte Elternteil als auch das erkrankte Kind gesetzlich krankenversichert sein.

Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von Kinderkrankengeld

Arbeitnehmer haben Anspruch auf Kinderkrankengeld, wenn es nach ärztlichem Zeugnis erforderlich ist, dass sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege ihres erkrankten Kindes der Arbeit fernbleiben. Das erkrankte Kind muss jünger als zwölf Jahre oder behindert und auf Hilfe angewiesen sein. Die Leistung wird nur gewährt, wenn eine andere in ihrem Haushalt lebende Person das Kind nicht beaufsichtigen, betreuen oder pflegen kann.

Kinderkrankengeld wird in jedem Kalenderjahr bei bis zu zwei Kindern längstens für zehn Arbeitstage, bei Alleinerziehenden längstens für 20 Arbeitstage je Kind gewährt. Bei drei und mehr Kindern besteht der Anspruch insgesamt für nicht mehr als 25 Arbeitstage, bei Alleinerziehenden für nicht mehr als 50 Arbeitstage je Kalenderjahr.

Kinderkrankengeld für Eltern eines schwerstkranken Kindes

Eltern, deren Kind nach ärztlichem Zeugnis eine Lebenserwartung von Wochen oder wenigen Monaten hat, erhalten Kinderkrankengeld, wenn sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege des Kindes der Arbeit fernbleiben. Voraussetzung ist, dass das Kind noch nicht zwölf Jahre alt oder behindert und auf Hilfe angewiesen ist. Das erkrankte Kind muss dabei nicht zwingend zu Hause betreut werden, sondern kann auch in einem Krankenhaus oder Hospiz untergebracht sein. Der Anspruch besteht ohne zeitliche Begrenzung und endet mit dem Tod des Kindes.

Berechnung des Kinderkrankengeldes

Das Kinderkrankengeld (brutto) beträgt 90 Prozent des während der unbezahlten Freistellung ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Es entspricht in voller Höhe dem ausgefallenen Nettoarbeitsentgelt, wenn der Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten vor der Freistellung beitragspflichtige Einmalzahlungen erhalten hat. Der Höchstbetrag pro Kalendertag beläuft sich auf 70 Prozent der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung (kalendertäglicher Höchstbetrag im Jahr 2017 = 101,50 Euro).

Das Kinderkrankengeld ist lohnsteuerfrei, unterliegt allerdings dem Progressionsvorbehalt.

Beantragung des Kinderkrankengeldes

Das ärztliche Attest dient gleichzeitig als Antrag auf Kinderkrankengeld. Arbeitnehmer geben auf der Rückseite ihre Bankverbindung an und erklären, ob vom Arbeitgeber während der Freistellung Arbeitsentgelt gezahlt wurde. Der unterschriebene Antrag ist bei der Krankenkasse einzureichen. Sobald die Verdienstbescheinigung des Arbeitgebers vorliegt, berechnet die Krankenkasse das Kinderkrankengeld und überweist den Betrag auf das Konto des Antragstellers.

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Schlagworte zum Thema:  Kinderkrankengeld, Sozialversicherung, Krankenversicherung, Leistung

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