| Arzneimittelausgaben

Kassen sparen bei Arzneimitteln

Arzneimittelausgaben der GKV sind erstmals seit 2004 rückläufig.
Bild: Haufe Online Redaktion

Erstmals seit 2004 kam es im Jahr 2011 zu einem erheblichen Rückgang der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel.

Dem aktuellen Arzneimittel-Atlas des Berliner IGES-Instituts und des Verbands forschender Arzneimittelhersteller zufolge betrugen die Ausgaben 30,2 Mrd. EUR im Jahr 2010 und die Ausgaben 2011 nur rund 29 Mrd. EUR. Dies waren 4 % weniger als im Vorjahr. Bereits 2010 war eine nur sehr geringe Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr von 0,6 % beobachtet worden.

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Veränderung der Arzneiausgaben

  • Ein Zuwachs der verordneten Menge führte zu Mehrausgaben von 968 Mio. EUR (im Vorjahreszeitraum: 865 Mio. EUR).
  • Neu entwickelte Medikamente und Markteinführungen führten zu Zusatzausgaben von 426 Mio. EUR (2010: 496 Mio. EUR).
  • Einsparungen von 727 Mio. EUR wurden durch größere Packungen und den Einsatz von Generika erzielt (2009 auf 2010: 442 Mio. EUR).
  • Höhere gesetzlich und individuell mit den Kassen vereinbarten Rabatte stiegen mit 1,7 Mrd. EUR fast auf das Doppelte des Vorjahreszeitraums (2009 auf 2010: 952 Mio. EUR).

Individuelle Rabatte haben große Wirkungen

Eine immer stärkere Bedeutung gewinnen die individuell vereinbarten Rabatte. Mehr als die Hälfte (53,3 %) aller verordneten Tagesdosen fallen bereits darunter. Die Rabatte kompensieren die Ausgabensteigerungen durch Mehrverbrauch und Innovationen.

Verbrauchsanstieg lässt Ausgaben einzelner Bereiche steigen

Unter den 31 im Detail betrachteten Indikationsgruppen stiegen lediglich in 6 Gruppen im Vergleich zum Vorjahr die Ausgaben an. Der größte Anteil der verbrauchsbedingten Mehrausgaben betraf 2011 Medikamente zur Behandlung von immunologischen und säurebedingten Erkrankungen sowie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

An erster Stelle lagen – wie bereits in den Vorjahren – die Immunsuppressiva (z.B. bei rheumatoider Arthritis) mit 83 Mio. EUR (2010: 182 Mio.), gefolgt von den Antihämorrhagika (Mittel bei Störungen der Blutgerinnung) mit 46 Mio. EUR (2010: 39 Mio.). An dritter Stelle lagen „Andere Mittel für das alimentäre System und den Stoffwechsel“ (vor allem Mittel bei Nierenstörungen) mit 26 Mio. EUR (2010: 23 Mio.).

Hinweise auf regionale Morbidität

Die Ausgaben pro GKV-Versichertem sind im Jahr 2011 um 3,7 % auf 388 EUR gesunken. Den stärksten Rückgang verbuchte mit - 4,8 % die KV Nordrhein; lediglich in der KV Sachsen stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben um 0,1 % an.

Die Differenz in der Grundversorgung zwischen Mecklenburg-Vorpommern, der Region mit den höchsten Arzneimittelausgaben, und Bayern am anderen Ende der Skala beträgt 91 EUR pro Versichertem.

In der Spezialversorgung klafft zwischen Berlin und Bayern eine Lücke von 55 EUR. Dies könne auf die Versorgung von mehr HIV-Patienten zurückgehen.

Hohe Ausgaben für Diabetiker

Ein Schwerpunkt des aktuellen Atlas ist die Diabetes-Versorgung. Die GKV zählt derzeit rund 5 Mio. Diabetiker, davon 4,5 Mio. des Typ 2. Für deren Therapie gab die GKV mehr als 1,6 Mrd. EUR aus, 1 Mrd. davon für Insulin. Damit liegen die Antidiabetika nach den Mitteln gegen Bluthochdruck auf Platz 2.

Hintergrund

Den jährlich erscheinenden Arzneimittel-Atlas erstellt das IGES Institut im Auftrag des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa). Er wird bei Springer Medizin veröffentlicht.

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