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Arznei-Prüfungen laufen an - Sparziel wohl verfehlt

Nur ein Medikament, das besser als seine Vorgänger hilft, darf mehr kosten. Mit dieser Vorgabe wollte der damalige Gesundheitsminister Rösler das Preismonopol der Pharmaindustrie brechen. Die versprochenen Einsparungen bleiben aber wohl erstmal aus.

Die Prüfung neuer Arzneimittel auf ihren Mehrwert für Patienten bringt voraussichtlich nicht die angekündigten Milliarden-Einsparungen. Nach Einschätzung des zuständigen Spitzengremiums im Gesundheitswesen wird das Sparziel der Koalition in absehbarer Zeit nicht erreicht.

Die Pharmaindustrie warnte dennoch vor möglichen Einschnitten bei der Patientenversorgung.

 

Zusatznutzen neuer Arzneimittel wird geprüft

Knapp ein Jahr nach Inkrafttreten der jüngsten Arzneireform werden nun die ersten neuen Medikamente auf ihren Zusatznutzen gegenüber vergleichbaren Therapien geprüft. Noch in diesem Jahr werde der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss die erste Bewertung abschließen, sagte der Vorsitzende dieses Spitzengremiums von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, Rainer Hess, der Nachrichtenagentur dpa.

Der Ausschuss entscheidet auf Basis von Berichten der Hersteller, welchen Zusatznutzen ein neues Mittel - wenn überhaupt - hat. Nur für Mittel, die wirklich mehr bringen, zahlen die Kassen auch mehr. Hersteller und Kassen sollen die Preise allerdings erst ab Januar aushandeln.

Am 16.11.2011 informiert der Bundesausschuss die Öffentlichkeit in Berlin über die ersten Verfahren.

Arzneimittelkosten stiegen bis 2010 kontinuierlich an

Seit Jahren steigen die Arzneikosten der Kassen. Im ersten Halbjahr 2011 sanken sie erstmals - um 6,3 % auf gut 15 Mrd. EUR. Die Regierung erwartet fürs Gesamtjahr einen geringeren Rückgang. Ende 2013 wird ein vorgegebener 16-% Herstellerrabatt wieder auf 6 % gesenkt. Von den neuen Preisverhandlungen hängt die künftige Entwicklung der Arzneikosten ab.

vfa warnt vor Verzögerungen bei der Zulassung

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) warnte, dass innovative Arzneimittel künftig den Patienten in Deutschland nicht mehr unmittelbar nach Zulassung zur Verfügung stehen. "Die ersten Erfahrungen geben Anlass zur Sorge", sagte vfa-Geschäftsführerin Birgit Fischer der dpa. Man sei nicht gegen die Bewertungen. Unter anderem müsse aber die Forschung ausreichend berücksichtigt werden. Die Kassen warfen der Branche dagegen Stimmungsmache vor.

Ärztekommission: Mehr Arzneimittel sind kein Fortschritt

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Ärzte, Wolf-Dieter Ludwig, erläuterte, dass in Deutschland zu viele verschreibungspflichtige Arzneimittel zugelassen sind. Zu viele Mittel brächten keinen Fortschritt. Die neuen Bewertungsverfahren führe zu sinkenden Preisen. Aber: "Bevor ein Umdenken der Industrie einsetzt und besser wirksame Arzneimittel auf den Markt kommen, werden einige Jahre vergehen."

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