13.09.2012 | Apothekerstreik

Warnstreik der Apotheker sorgt für Schlangen

Ungewohnt: Schlange stehen und warten vor der Apotheke.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Apothekenbesitzer im Südwesten der Republik machen ernst: Einen Tag lang schränkten sie jetzt den Kundenservice ein. Dabei geht es um die Geldverteilung im Gesundheitswesen. Die Pharmazeuten sind wütend.

Mit der bundesweit größten Protestaktion seit rund 10 Jahren haben die Apotheker am 12.9.2012 im Süden und Westen Deutschlands für höhere Honorare gekämpft. An dem eintägigen Warnstreik beteiligten sich rund 80 % der baden-württembergischen Apotheker, in Rheinland-Pfalz waren es etwa 75 5, wie die Landesapothekerverbände (LAV) in Stuttgart und Mainz mitteilten. Das Saarland meldete mit 90 % die höchste Beteiligung.

Kundenbetreuung nur durch Notdienstklappe

Vielerorts bedienten die Apotheker ihre Kunden mit weniger Personal. In manchen Fällen war nur das Notdienstfenster geöffnet, so dass sich Schlangen bildeten. Alle Türen komplett zu schließen und nur einzelne regionale Notdienste auch tagsüber auszuweisen, ist der Zunft verboten. "Ein Apotheker ist normalerweise ein Mensch, der nicht an Streik denkt. Aber die Situation ist einfach so zugespitzt", sagte der baden-württembergische LAV-Vizepräsident Wolf Kümmel.

Forderung: Fixhonorar soll angehoben werden

Der Protest der Apotheker dreht sich um die anstehende Erhöhung ihres meist zentralen Geschäfts mit verschreibungspflichtiger Arznei. Bei deren Preiszusammensetzung erhalten sie pro Packung ein Fixhonorar von 8,10 EUR. Dieser seit 2004 unveränderte Betrag müsste ihrer Meinung nach um gut 1 EUR auf 9,14 EUR erhöht werden - wegen steigender Kosten etwa für Mieten, Energie und Personal. Die schwarz-gelbe Koalition hält pro Packung 0,25 EUR mehr für angemessen.

Apothekenschwund hat begonnen

Die Zunft verweist auf einen bereits begonnenen Apothekenschwund: Jede Woche gebe es bundesweit 6 Filialen weniger. "Wir könnten diese Aktion natürlich noch länger als nur einen Tag lang ausweiten", sagte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker. "Aber mehr Einschränkung - da wird es illegal."

Hintergrund: Das verdienen Apotheker

Ein Apotheker in Deutschland darf auf den Einkaufspreis für verschreibungspflichtige Arznei 3 % aufschlagen, z. B. für Lagerkosten und Vorkasse. Dazu kommt der Festzuschlag hinzu, pro Packung Fertigarznei derzeit 8,10 EUR.
Von diesen 8,10 EUR zahlen die Apotheker einen Abschlag von 2,05 EUR an die Krankenkassen zahlen. Netto bleiben folglich nur 6,05 EUR in der Apothekerkasse. Über die Höhe des Kassenabschlags wird seit Jahren heftig gestritten.
Wegen dieses Systems verdient ein Apotheker mit sehr teuren Medikamenten nicht sehr viel mehr als mit günstigen. An einem teuren Krebsmittel mit einem Einkaufspreis von 300 EUR verdient der Apotheker rund 15 EUR. Bei sehr günstigen verschreibungspflichtigen Arzneien, etwa Tropfen gegen Übelkeit, mit Einkaufspreis unter 1 EUR, bleiben allein schon wegen des Festzuschlags 6,05 EUR.

Schlagworte zum Thema:  Apotheke, Arzneimittel

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