03.07.2012 | Top-Thema Aktuelles zur Rente

Rentenreform: Das soll sich beim Hinzuverdienst ändern

Kapitel
Änderung durch Rentenreform
Bild: MEV-Verlag, Germany

In der gesetzlichen Rentenversicherung soll ein Reformvorhaben für einige grundlegende Änderungen sorgen. Dazu liegt ein Entwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vor. Das parlamentarische Verfahren soll im 2. Halbjahr 2012 abgeschlossen sein.

Das Inkrafttreten der Regelungen ist zum 1.1.2013 bzw. zum 1.7.2013 vorgesehen.

Hinzuverdienst und Rente besser miteinander vereinbar

Nach Erreichen der Regelaltersgrenze ändert sich nichts - es kann weiterhin unbegrenzt hinzuverdient werden. In den letzten Jahren des Berufslebens soll allerdings ein flexibleres Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze möglich sein, als das bislang der Fall ist. Bis zur Regelaltersgrenze soll an die Stelle der bisherigen Teilrenten das neue System der sog. Kombirente treten. Mit der Kombirente werden Teilzeitarbeit und (vorgezogene) Rente besser miteinander vereinbar sein. Dies wird insbesondere den Arbeitnehmern zugute kommen, die in Berufen mit hohen Belastungen arbeiten und die nicht Vollzeit bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können oder wollen. Es werden Chancen für höhere Alterseinkommen eröffnet, denn grundsätzlich kann nach dem neuen Recht mehr hinzuverdient werden. Wer die Kombirente in Anspruch nimmt, wird somit ohne größere finanzielle Einbußen länger im Erwerbsleben bleiben können. Das neue Hinzuverdienstrecht soll einheitlich über alle Rentenarten hinweg gelten und damit auch die Erwerbsminderungsrentner erfassen. Ausdrücklich soll die Regelung auch für die nach dem bis 31.12.2000 geltenden Recht festgesetzten Renten wegen Berufs- und Erwerbsunfähigkeit anzuwenden sein.

Hinzuverdienst plus Rente insgesamt bis zur Höhe früheren Einkommens

Derzeit gilt: Wer vor Erreichen der Regelaltersgrenze mehr als 400 EUR im Monat hinzuverdient, erhält im Rahmen der starren monatlichen Grenze nur eine Teilrente. Schon ein geringes Überschreiten der Hinzuverdienstgrenzen führt zu einer unverhältnismäßig starken Rentenkürzung. Die Kombirente erlaubt dagegen künftig ab dem Alter von 63 Lebensjahren ein Einkommen aus Rente und Hinzuverdienst in der Höhe des früheren Einkommens. Einkommen und Rente dürfen dabei maximal dem höchsten Jahresbruttoeinkommen in den letzten 15 Jahren vor Renteneintritt entsprechen. Dazu wird auf eine jahresdurchschnittliche Betrachtungsweise abgestellt.

Beispiel:

Ein Frührentner hatte in den letzten 15 Jahren als höchstes Jahreseinkommen 31.200 EUR erzielt. Das entspricht einem durchschnittlichen Monatsentgelt von 2.600 EUR. Beläuft sich die Rente auf 1.000 EUR, könnte der Rentner noch 1.600 EUR hinzuverdienen.

Die Festlegung der Hinzuverdienstgrenze erfolgt wie bisher auch schon durch den Rentenversicherungsträger und soll mit dem Rentenbescheid mitgeteilt werden.

Anrechnung wird centgenau vorgenommen

Kommt es zu einer Überschreitung der individuell gültigen Hinzuverdienstgrenze, wird die Rentenhöhe centgenau angepasst. Es kann also nicht mehr wie im derzeitigen Recht dazu kommen, dass die Rente über den eigentlichen Hinzuverdienst hinaus gekürzt wird.

Die geplante Kombirente gibt den Tarifpartnern Raum für konkrete tarifvertragliche Ausgestaltungen, die ein flexibleres Arbeiten bis zur steigenden Regelaltersgrenze ermöglichen.  Ob und in welcher Höhe sich die künftige Kombirente im Einzelfall wirklich lohnt, muss nach Verabschiedung des Gesetzes geprüft werden. Erst dann sind alle Detailregelungen bekannt, die im Einzelfall Auswirkungen haben können.

Schlagworte zum Thema:  Hinzuverdienst, Rente, Rentenanpassung, Rentenhöhe, Rentenreform, Rentenversicherung, Renteneintritt

Aktuell

Meistgelesen