| Ärztliche Behandlung

Wer wartet am längsten auf einen Termin beim Facharzt?

Gesetzlich Krankenversicherte haben längere Wartezeiten beim Arzt.
Bild: Haufe Online Redaktion

Patienten müssen oft lange auf einen Arzttermin warten: Insbesondere im Osten erhalten sie einen Termin beim Facharzt erst nach einer Wartezeit von 3 Wochen. Nach wie vor kommen Privatversicherte schneller an die Reihe. Medizinische Notfälle müssen aber sofort behandelt werden.

Auch beim Arzt gibt es ein Ost-West-Gefälle: Patienten zwischen Rügen und Erzgebirge müssen am längsten auf einen Sprechstundentermin warten - 14 % von ihnen mehr als 3 Wochen. Im Westen sind es dagegen nur 9 %.

Ein Drittel aller Fälle ohne Arzt-Wartezeit

In etwa einem Drittel der Fälle war der Arzt allerdings in Ost wie in West ohne Wartezeit zu sprechen. Das geht aus einer Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor. «Bei akuten, schweren Krankheitsfällen kann ein Arzt Sie nicht ablehnen», erklärt Michaela Schwabe von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). So werde beispielsweise ein Patient mit einer schweren Grippe, die mit 40 Grad Fieber einhergehe, sofort behandelt. «Ist es nur ein grippaler Infekt mit Schnupfen und Husten, kann es sein, dass der Patient auf den nächsten Tag vertröstet wird, wenn die Praxis sehr voll ist.»

Längere Wartezeiten bei Impfungen und Vorsorge

Ob und wie lange ein Patient auf einen Termin beim Arzt warten muss, sei immer vom Einzelfall abhängig, sagt Schwabe. «Bei Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen kann es durchaus vorkommen, dass Sie etwas länger warten müssen.» Das bestätigt auch die Umfrage der KBV.

Facharztmangel in östlichen Bundesländern

Die Versorgungssituation wird in den östlichen Bundesländern generell am kritischsten beurteilt: In Berlin/Brandenburg, Thüringen und Sachsen ist die Klage über fehlende Orthopäden und Augenärzte in Wohnortnähe am lautesten. Etwa ein Viertel der Befragten dort sieht darin ein Problem. Insgesamt 76 % sagen, dass es an ihrem Wohnort genügend Hausärzte gebe, 56 % sagen das mit Blick auf die Fachärzte.

Wartzeiten beim Arzt haben sich nicht verlängert

Immerhin fühlen sich 92 % aller Befragten beim Arzt gut aufgehoben. Nur 4 % sind unzufrieden. Der Zufriedenheitsgrad liege seit der ersten Erhebung im Jahr 2006 auf diesem hohen Niveau, sagte KBV-Chef Andreas Köhler. Zufrieden wies er darauf hin, dass sich auch die Wartezeiten im Vergleich zu den Vorjahren praktisch nicht verlängert hätten

Kürzere Wartezeiten für Privat Krankenversicherte

Unterschiede zeigt die Befragung erneut für privat und gesetzlich Versicherte: Mehr als 3 Wochen Wartezeit mussten 11 % der Kassenpatienten hinnehmen, dagegen nur 4 % der Privatversicherten. 39 % von diesen kannten überhaupt keine Wartezeit, bei den Kassenpatienten waren es 31 %.

Kurze Bedenkzeiten für Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL)

Die in der Kritik stehenden Selbstzahlerleistungen spielen aus Sicht der Patienten eine eher untergeordnete Rolle. 21 % der Befragten wurde eine dieser Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) vom Arzt angeboten, das sind 3 Prozentpunkte weniger als vor 2 Jahren. 90 % hielten die Bedenkzeit für ausreichend, um sich für oder gegen das Angebot zu entscheiden. Die KBV sieht damit das Vorurteil vom «Arzt als geldgierigen Verkäufer» widerlegt.

Schlagworte zum Thema:  Arzt, Private Krankenversicherung, IGeL

Aktuell

Meistgelesen