07.01.2013 | Organspende

Ärztekorruption lässt Vertrauen in die Organspende schwinden

Ärztekorruption wirkt negativ auf die Organspende-Bereitschaft
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der jüngste Transplantationsskandal wirkt sich erneut negativ auf die Spendenbereitschaft der Deutsch aus. Die Ärzteschaft warnt eindringlich vor zu viel Wettbewerb in der Medizin.

Nach dem Transplantationsskandal von Leipzig ist das Vertrauen der Deutschen in die Organspende-Praxis erschüttert. In einer Umfrage gaben 71 % der Befragten an, sie seien überzeugt, dass Wohlhabende und Prominente bei der Organvergabe bevorzugt werden.
Der Emnid-Umfrage zufolge, für die 500 Personen befragt wurden, sind weniger Menschen bereit, sich nach ihrem Tod Organe entnehmen zu lassen. 37 % lehnen inzwischen eine Entnahme ab, 59 % würden spenden. Im August waren noch 61 % der Deutschen zur Spende bereit, nur 34 % dagegen.

Ärztekorruption muss bekämpft werden

87 % der Deutschen fordern härtere Strafen bei Korruption durch Mediziner. Der Vorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dirk Heinrich, hält bestehende Strafmaßnahmen für ausreichend: «Einem korrupten Arzt kann zum Beispiel die Zulassung entzogen werden», sagte er.

Nach Ansicht von SPD-Spitzenpolitiker Frank-Walter Steinmeier dürfen Mediziner, die aus Gewinnstreben gegen Regeln verstoßen, obwohl es um Leben und Tod geht, «unter keinen Umständen mehr praktizieren». Steinmeier hatte seiner Frau Elke Büdenbender im Jahr 2010 eine Niere gespendet. Seiner Frau gehe es heute sehr gut, sagte er.

Zu viel Wettbewerb schadet der Medizin

Experten warnen nach dem jüngsten Skandal eindringlich vor falschen wirtschaftlichen Anreizen in der Medizin. Die Medizin müsse weg vom Kommerz, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Karl-Walter Jauch, im Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» am 5.1.2013. Er forderte die Schließung jedes 2. deutschen Lebertransplantationszentrums. Nur 12 statt wie bislang 24 Kliniken für Organverpflanzungen sollten weiter betrieben werden. Der Wettbewerb zwischen den Zentren wirke sich negativ auf die Qualität aus.

Weniger Zentren = bessere Kontrolle

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz betonte, dass weniger Transplantationszentren unter anderem auch leichter unter Aufsicht gestellt werden könnten. «Wir fordern einen bundesweit zu entwickelnden Masterplan, der alle Aspekte im Blick hat. Bisher plant aber jedes Land für sich allein», teilte die Stiftung mit. «Länder, Krankenhausbetreiber, Bundesärztekammer, Krankenkassen und Patientenorganisationen müssen an einen Tisch, um die Bedingungen für den Betrieb der Transplantationszentren festzulegen.»

Auch die Vorschriften sollten überdacht werden

Für die aktuell aufgedeckten Betrugsvorgänge macht der Mediziner Jauch auch die Vorschriften bei der Vergabe von Organen, insbesondere Lebern, verantwortlich. Mediziner müssten «den Mut haben, zu sagen, dass man Patienten, die nur mehr eine minimale Chance auf Rehabilitation haben, nicht mehr einer Transplantation unterzieht».

Schlagworte zum Thema:  Organspende, Arzthonorar, Bestechung, Ärztekorruption

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