13.12.2011 | Leistungen Sozialversicherung

Ärzte wollen Kassenleistungen privatisieren

Deutschlands Kassenärzte haben vorgeschlagen, heutige Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen im Umfang von bis zu 15 Mrd. EUR künftig privat abzusichern.

"Es wird nicht mehr alles, was medizinisch machbar ist, von der Solidargemeinschaft finanziert werden können", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, in Berlin. Über eine neue Aufteilung der Behandlungen und Diagnosen in Grund- und Wahlleistungen sowie eine neue Rolle von gesetzlichen und privaten Kassen müsse diskutiert werden.

Krankenkasse soll nur noch Grundversorgung finanzieren

Künftig könnten die gesetzlichen Kassen die Grundleistungen versichern, die privaten Krankenversicherungen die darüber hinausgehenden Arzt-Angebote per Zusatzversicherung, sagte Köhler am Rand einer KBV-Vertreterversammlung.

Ein künftiger Katalog von Grundleistungen könne mangels gesellschaftlicher Akzeptanz zwar nicht viel weniger umfassen als der heutige Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen. Vorstellbar sei aber, dass Leistungen im Volumen von 10 bis 15 Mrd. EUR jährlich künftig nicht mehr automatisch gesetzlich abgesichert würden. Was Patienten dann konkret privat versichern müssten, wenn sie dies weiter wollen, sagte Köhler nicht. 2010 gaben die gesetzlichen Krankenkassen 175,7 Mrd. EUR aus.

Bundesärztekammer: Es muss priorisiert werden

Ähnlich argumentiert die Bundesärztekammer. Sie plädiert seit längerem für eine Priorisierung: Wegen insgesamt knapper Mittel solle politisch festgelegt werden, welche Patienten welche Behandlungen und Diagnosen zuerst bekommen und wo keine Prioritäten mehr liegen. Doch anders als Köhler nannte die Kammer bisher keine möglichen Spareffekte.

Aktuell

Meistgelesen