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Ärzte verteidigen PKV

Ärzte setzen sich für Erhalt der PKV ein
Bild: Haufe Online Redaktion

Überlebt die private Krankenversicherung die Bundestagswahl? Die Ärzte wollen erstmals klar zur Zukunft der Krankenkassen Stellung beziehen - mit einem Plädoyer für den Erhalt der Privatversicherung.

Angesichts wachsender Zweifel am Überleben der privaten Krankenversicherung (PKV) bringen sich Deutschlands Ärzte für ihre Verteidigung in Stellung. Auf ihrem am 22.5.2012 in Nürnberg beginnenden Ärztetag wollen die Mediziner erstmals nicht nur Forderungen für ihren Stand erheben, sondern zur gesamten Zukunft der Krankenversicherung Position beziehen. "Ich glaube, dass es keines dramatischen Systemwechsels bedarf", sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, und stellt sich damit gegen Forderungen nach einem Aus für die PKV nach heutigem Muster.

Bürgerversicherung könnte GKV-PKV-Trennung aufheben

SPD, Grüne und Linke lassen keinen Zweifel daran, dass sie mit einer Bürgerversicherung möglichst alle Menschen erreichen wollen - entgegen der heutigen Trennung in PKV und gesetzlicher Versicherung (GKV). Zuletzt hatte auch der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), für Schlagzeilen gesorgt mit der Ansage, die Trennung sei nicht mehr zeitgemäß: Dass nur Selbstständige, Beamte und Gutverdiener sich privat versichern können, findet laut Spahn nicht einmal mehr auf einer CDU-Mitgliederversammlung eine Mehrheit.

2-Klassen-Medizin würde durch Bürgerversicherung verstärkt

Montgomery sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir wollen als Ärzteschaft rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf eine klare Duftmarke setzen." Die Bürgerversicherung ist für ihn eine Fehlentwicklung mit der Folge spürbarer Leistungseinschränkungen. "Wir befürchten, dass die Bürgerversicherung zum Turbolader der 2-Klassen-Medizin wird." Gutverdiener würden sich eine bessere Versorgung dann einfach kaufen.

Reformbedarf sieht der Ärztepräsident aber auch bei der PKV, etwa bei den günstigen Locktarifen, die zuletzt zu teils großen Beitragssprüngen führten. Doch insgesamt bringe gerade das Nebeneinander von PKV und GKV Spielraum für Neuerungen zugunsten der Patienten.

Ärzte können politischen Einfluss nehmen

Es ist eine neue Hinwendung zu politischer Einflussnahme bei den Ärzten. Ihren Einfluss bei den Wahlen berücksichtigt die Politik erfahrungsgemäß immer wieder. Bisher ging es auf den Ärztetagen im politischen Teil meist darum, die Ökonomisierung und Rationierung von Medizin zu kritisieren - aber nicht um Vorstöße für die Gestaltung der Krankenversicherung insgesamt. Auch diesmal dürften finanzielle Forderungen freilich eine Rolle spielen.

Auch Kassenärzte schlagen Alarm: Arztpraxen veraltern

Munitioniert werden die Delegierten dabei auch von den Kassenärzten, die bereits am 21.5.2012 ihre Vertreterversammlung in Nürnberg abhalten. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) - ein Forschungsinstitut der Kassenärzte - schlug Alarm: Immer mehr Praxen werden unmodern - der Investitionsbedarf betrage bereits 2 Mrd. EUR. Eine repräsentative Studie des Forschungsinstitut bei 3.300 Praxen habe gezeigt, dass die Praxen im Schnitt 21.400 EUR investieren müssten.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, sprach von einem Warnzeichen. Die ohnehin immer spärlicher vertretenen Landarztpraxen seien besonders betroffen. ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried sagte: "Es bleibt ein Faktum, dass die Praxisinhaber besonders in den ländlichen Räumen Neu- und Ersatzinvestitionen zurückhalten."


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