| Unterhaltszahlung

Ärzte müssen bei künstlicher Befruchtung Unterhalt zahlen

Ärzte müssen Unterhalt zahlen
Bild: Haufe Online Redaktion

Mediziner benutzen eingefrorenes Sperma benutzt, das längst hätte vernichtet werden müssen. Nun müssen sie zahlen.

Erst verhalfen sie 2 Kindern zum Leben, jetzt müssen sie tief in die Tasche greifen: 5 Jahre nach einer künstlichen Befruchtung sind 2 Dortmunder Frauenärzte am 19.4.2012 verurteilt worden, den Unterhalt für die im November 2007 geborenen Zwillinge zu übernehmen. Die Mediziner hatten eingefrorenes Sperma benutzt, das längst hätte vernichtet werden müssen. Außerdem hatten sie bei dem Eingriff auf die Anwesenheit des werdenden Vaters verzichtet. Laut Urteil des Dortmunder Landgerichts müssen sie für diese Fehler nun haften (AZ: 4 O 320/10).

Beziehung war bereits beendet

Der Vater der Kinder zeigte sich nach der Urteilsverkündung erleichtert. Er hatte sich von seiner früheren Lebensgefährtin hintergangen geführt und von "Samenraub" gesprochen. "Von meiner Seite war damals nie ein Kinderwunsch vorhanden", sagte der 40-Jährige auf dem Gerichtsflur. Die Beziehung zu seiner früheren Partnerin sei zum Zeitpunkt der künstlichen Befruchtung praktisch schon beendet gewesen. Warum sie den Eingriff trotzdem habe durchführen lassen, könne er sich nicht erklären.

Lagerungsvertrag war auf 12 Monate abgeschlossen

Der 40-jährige Verpackungsdesigner aus Hattingen hatte das Sperma 2004 einfrieren lassen. Der Lagerungsvertrag war auf 12 Monate abgeschlossen. Richterin Gisela Kothe-Pawel sagte in der Urteilsbegründung: "Nach einem Jahr wäre das Sperma zu vernichten gewesen." Und: "Wir sind überzeugt, dass der Kläger nicht damit einverstanden war, dass das Sperma für eine künstliche Befruchtung benutzt wird." Die Dortmunder Ärzte hatten im Prozess erklärt, dass sie nie mit Problemen gerechnet hätten, weil normalerweise nur Menschen zu ihnen kämen, die schon lange einen großen Kinderwunsch hätten.

Zahlungsverpflichtung endet mit 18. Lebensjahr

Die Unterhaltsverpflichtung beläuft sich laut Urteil auf das gesetzliche Mindestmaß. Die Zahlungsverpflichtung endet mit dem 18. Lebensjahr der Kinder. Weiterreichende Forderungen haben die Richter zurückgewiesen. Der Vater hat die Zwillinge - ein Junge und ein Mädchen - bislang nur einmal kurz gesehen. Ob sich das in Zukunft noch einmal ändern werde, wisse er nicht. "Ich habe Angst davor, dass sie irgendwann fragen, wer ihr Papa ist", sagte er nach der Entscheidung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Ärzte können Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.

Schlagworte zum Thema:  Unterhalt, Künstliche Befruchtung

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