21.03.2012 | Wirtschaftsrecht

Vielflieger-Bonus-Programm „Miles and More“: Keine Abwertung von Bonusmeilen

Ein Vielflieger klagte gegen die Fluggesellschaft Lufthansa, da ihm durch die Änderung des Bonusprogrammes einige der bereits angesammelten Meilen entwertet wurden. Das LG Köln sah hier eine rechtswidrige Benachteiligung des flugerprobten (887 000 Meilen) Klägers und gab der Klage statt.

Zukünftig mehr Meilen für Interkontinentalflüge

Die Lufthansa änderte Anfang 2011 die Bedingungen für ihren Prämienkatalog, so dass für interkontinentale Freiflüge ab diesem Zeitpunkt 10 bis 15 Prozent mehr Meilen notwendig waren.

Seit der Änderung werden beispielsweise für einen Hin- und Rückflug in die USA in der Businessklasse 105 000 Meilen statt 90 000 verlangt. Für andere Flüge (bspw. Oneway) müssen weniger Meilen eingesetzt werden. Hiergegen wandte sich ein IT-Professor aus Hamburg, der auf seinem „Miles and More“-Konto bereits 887 000 Meilen angesammelt hatte.

 

Änderungen wurden nur kurzfristig einen Monat vor Inkrafttreten publiziert

Durch die Änderung wurde sein Meilenkonto auf einen Schlag um 30 bis 40 Prozent herabgestuft, argumentierte der Professor. Die entsprechende Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sei nur versteckt im Internetauftritt zu lesen gewesen. Im Kundenmagazin habe man die Änderung sogar erst nach Inkrafttreten veröffentlicht.

 

LG Köln: Verstoß gegen Treu und Glauben

Durch die Herabstufung sei der Kläger benachteiligt worden, urteilte das LG Köln. Da es sich um eine freiwillige Leistung von Lufthansa handle, sei das Unternehmen zwar grundsätzlich berechtigt, die Bedingungen für ihr Prämienprogramm zu ändern. Jedoch hätte es die Änderungen seinen Kunden mit einer Frist von 4 Monaten ankündigen müssen, um diesen eine ausreichende Übergangszeit einzuräumen.

 

Langjährige unveränderte Bedingungen – Aufbau eines gewissen Vertrauensbestands

Diese Übergangszeit sei auch deshalb zu gewähren, da der Prämienkatalog zuvor acht Jahre nicht verändert wurde und dadurch ein gewisser Vertrauenstatbestand aufgebaut worden sei. Daher sei eine Abwertung der Meilen, die der Kläger bis Anfang 2011 angesammelt haben, unwirksam.

Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Außerdem habe das Urteil nach Aussage des Gerichtssprechers keine Allgemeingültigkeit und es müsse jeder Fall individuell  betrachtet werden.

(LG Köln, Urteil v. 16.03.2012, 32 O 317/11).

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