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Vandalismusschäden am Auto sind über eine Teilkaskoversicherung nicht abgedeckt

Vandalismus ist eine Art der Schädigung, die sich nicht nur verstörend auf den Geschädigten auswirkt, sie fällt auch oft durch die Maschen des Versicherungsschutzes: So ist die anlässlich eines Diebstahlsversuchs mutwillig herbeigeführte Beschädigung eines Kfz durch die Teilkaskoversicherung nicht abgedeckt.

Frustabbau nach misslungenem Rollerklau

Im April 2007 stellte der Kläger seinen Motorroller mit eingerasteter Lenkradsperre auf einem Parkplatz ordnungsgemäß ab. In der Nacht versuchte ein Unbekannter den Roller zu entwenden. Dabei hatte der Täter den Roller umgeworfen, bekam aber das Lenkradschloss nicht auf. Aus Enttäuschung über den misslungenen Diebstahlsversuch verursachte er durch Tritte u.ä. weitere Beschädigungen an dem Fahrzeug.

 

Teilkasko muss nur Teilschaden ersetzen

Amts- und Landgericht verurteilten die Versicherung zum Ersatz der Schäden, die durch den Diebstahlsversuch einschließlich des Umstoßens des Rollers entstanden waren. Dagegen wiesen sie die Klage des Rollerbesitzers hinsichtlich der nach Beendigung des Diebstahlsversuchs aus Wut über die misslungene Tat verursachten zusätzlichen  Beschädigungen ab. Der BGH hat diese Entscheidungen bestätigt.

 

Unmittelbare Kausalität zwischen Diebstahl und Schaden erforderlich

Der BGH verlangt zwischen Diebstahlversuch und Schaden einen über die bloße Äquivalenz hinausgehenden Sachzusammenhang. Dies folge aus dem Wortlaut von § 12 (1) I b AKB. Hiernach würden nur solche Schäden ersetzt, die „durch (die) Entwendung“ verursacht würden. Dies müsse der durchschnittliche Versicherungsnehmer so verstehen,

  • dass die Schäden gemeint seien, die durch die Tathandlungen verursacht würden,
  • nicht aber die Schäden, die dem Fahrzeug nach Beendigung der Tathandlung anlässlich der Tat z.B. aus Wut über deren Misslingen beigebracht würden.

Diese Auslegung ergebe sich auch aus den Bestimmungen über die Vollkaskoversicherung, die im Unterschied zu den Teilkaskovorschriften ausdrücklich solche Vandalismusschäden einbezögen. Dies sei eben ein wesentlicher Unterschied zwischen Voll- und Teilkasko.

 

Vandalismusschaden kein typisches Entwendungsrisiko

Die Beschädigung des Fahrzeugs durch den Dieb als Ausdruck seiner Wut oder auch aus bloßer Lust an der Beschädigung ist nach Auffassung des BGH auch keine regelmäßig miteinem Diebstahlsversuch verbundene typische Reaktion eines durchschnittlichen Täters. Der Rollerbesitzer blieb so auf einem Teil seines Schadens sitzen.

(BGH, Urteil v 24.11.2010, IV ZR 248/08).

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