30.07.2010 | Wirtschaftsrecht

Urlaubsärger Teil 3: Kakerlaken & Co. - ungebetener Besuch im Hotelzimmer

Der Sommer bringt neben schönen Aspekten auch Nachteile in Form geflügelter, ungeflügelter, stechende oder ekliger Insekten. Das lässt sich nicht verhindern, sollte aber, zumal in angemieteten Räumen, nicht Überhand nehmen. Doch das ist nicht das einzige potentielle Ärgernis, das Hoteliers unterbinden sollten.

Wann sind geflügelte Untermieter ein Hotelmangel?

Wie so oft sind die Gesamtumstände des Einzelfalls Grundlage der Beurteilung:

  • Nicht jede Fliege oder Mücke im Hotelzimmer berechtigt den Gast zur Minderung.
  • Insbesondere in warmen Ländern muss laut Rechtsprechung mit vorübergehenden Belästigungen durch gewisse Kleinst- und Kleintiere gerechnet werden.

Touristisch-zoologische Beispiele

  • So wurden das kurzfristige Auftreten von Ameisen (24 Std.),
  • der sich für 3 Stunden in die Hotelanlage verirrende Bienenschwarm,
  • aber auch die Mitbenutzung des Hotelzimmers durch 3 Kakerlaken und 3 Geckos nicht als zur Minderung berechtigender Mangel gewertet (OLG Düsseldorf, Urteil v. 21.9.2000, 18 U 52/00).

 

Ausmaß der Belästigung ist entscheidend

Dagegen hat das OLG Düsseldorf die

  • dauerhafte Bevölkerung des Hotelzimmers durch ein Ameisenvolk als erhebliche Beeinträchtigung angesehen und einer Minderung von 5-25% des Reisepreises für Wert befunden (OLG Düsseldorf, Urteil v 23.03.2000, 18 U 137/99).
  • Das Auftreten einer größeren Kakerlakensippschaft, die das Feld partout nicht räumen wollte, nahm das AG Hamburg zum Anlass für eine Minderung um 15%.
  • Wirkt das Bad wie ein Aquarium für Silberfische, ist ebenfalls eine Minderung von 15% angemessen.
  • Ein Reisegast, der von Wanzen gezwickt wurde, durfte nach dem AG Bad Homburg nur um bescheidebne 10% pro Tag der Beeinträchtigung minden (AG Bad Homburg, Urteil v 30.01.1997, 2 C 2428/96).

 

Verpflegung - mit oder ohne Insekten – ungenießbar?

Haben sich diverse Tierchen bis ins Essen vorgearbeitet und entsteht eine schwere Lebensmittelvergiftung, so sieht das LG Düsseldorf eine Minderung des Reisepreises um 100 % pro Tag der gesundheitlichen Beeinträchtigung als gerechtfertigt an ( LG Düsseldorf, Urteil v 14.07.1999, 22 S 443/99).

 

Wartezeiten bis zu 30 Minuten = tolerabel

Aber auch andere Mängel der Verpflegung berechtigen zur Minderung, so bei einem angekündigten 1. Klasse Buffet, auf dem dann aber nur 2 Mahlzeiten zur Auswahl angeboten werden, bei ständig lauwarmem Essen, bei überlangen Wartezeiten, wobei aber Wartezeiten bis zu 30 Minuten (auch bei Anstehen am Buffet) als zumutbar angesehen werden.

Die Minderungsquoten schwanken hier je nach Einzelfall zwischen 5 und 25%. Befinden sich im Hotel statt mehrerer im Katalog angepriesener Restaurants nur ein mensaähnlicher Gastraum und eine Bar, so hält das AG Bad Homburg eine Minderung des Reisepreises um 10% für angemessen (AG Bad Homburg, Urteil v 14.03.1996, 2 C 3731/95).

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