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Urlaubsärger Teil 2: Wenn Höllenlärm den Urlaub prägt

Nicht jeder sucht im Urlaub Entspannung pur, doch auf Presslufthammer können auch Erlebnisurlauber gut verzichten. Wie hoch darf die Lärmbelästigung am Urlaubsort sein, wann hat der Gast Anspruch auf Minderung des Reisepreises oder gar Schadensersatz?

Grundsätzlich gilt: Der Anspruch des Gastes auf Ruhe richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Er muss den Lärm hinnehmen, mit dem ein vernünftiger Reisegast nach den Prospektangaben bzw. den mündlich oder schriftlich getroffenen Absprachen rechnen musste.

Ein in ruhiger Strandlage angepriesenes Hotel ist daher anders zu beurteilen als die Unterbringung in zentraler Lage mit vielfältigen Unterhaltungsmöglichkeiten in Hotelnähe. Vor diesem Hintergrund hat die Rechtsprechung folgende Einzelfälle entschieden:

 

Baulärm: Wenn das Leben, auch im Urlaub, eine Baustelle ist

Das Hotel der Reisegäste aus Düsseldorf war wie im Prospekt angepriesen – bis auf die Lage. Unmittelbar nebenan befand sich eine Großbaustelle. Die erhebliche Lärm- und auch Staubbelästigung erstreckte sich täglich über die Zeiträume 6-14 und 16–19 Uhr. Das LG gewährte eine Minderung des Reisepreises um 50% sowie Schadensersatz für vertane Urlaubszeit (LG Düsseldorf, Urteil v 21.01.2000, 22 S 26/99).

Das Hotel der Reisegäste aus Hannover war noch gar nicht fertig gestellt. Der Baulärm tobte im Hotel selbst rund ums gemietete Zimmer. Auch das AG Hannover sprach eine Minderung von 50% sowie zusätzlich Schadensersatz zu (AG Hannover, Urteil v 11.10.2007, 504 C 4712/07).

In weniger gravierenden Fällen schwanken die Minderungsquoten wegen Lärms zwischen 5 und 20%. Das LG Duisburg bezog in einem Urteil sogar die Möglichkeit des Reisegastes ein, dem Lärm tagsüber durch Beschäftigungen außerhalb des Hotels auszuweiche (LG Duisburg, Urteil v 27.03.2008, 12 S 70/07).

 

Unerwartete Flughafennähe

Auch hier ist  die zu gewährende Minderung abzustufen nach dem Grad der Belästigung. Befindet sich das gebuchte Hotel in unmittelbarer Flughafennähe und enthält der Prospekt hierzu keinen Hinweis, so hält das OLG Düsseldorf eine Minderung in einer Größenordnung von 10-20 % für angemessen (OLG Düsseldorf, Urteil v 09.10.1997, 18 U 209/96).

 

Unterhaltung, Disco

Geringfügige Lärmbelästigungen durch Unterhaltungs- und Animationsprogramme sind jedenfalls dann hinzunehmen, wenn nach den Prospektangaben damit zu rechnen war. Drückt

sich diese Unterhaltung aber in täglicher (bzw. nächtlicher) lauter Freiluftdiscomusik bis in die frühen Morgenstunden aus, so sieht das AG Köln eine Minderung des Reisepreises um bis zu 60% sowie Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit als gerechtfertigt a n(AG Köln, Urteil v 26.02.2008, 13 C 533/06).

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