24.07.2010 | Wirtschaftsrecht

Urlaubsärger die 1.: Mängel im Hotelzimmer

Die Reisezeit ist in vollem Gange, doch viel zu oft schlägt wie jedes Jahr Vorfreude auf den Urlaub minutenschnell in Enttäuschung um. Einige Beispielsfälle unserer kleinen Urlaubs- und Reiseserie zeigen, dass der Reisegast nicht jede Zumutung des Reiseveranstalters oder Hoteliers akzeptieren muss.

Reisemängel sind vielfältiger Natur und werden von der Rechtsprechung in verschiedene Gruppen aufgeteilt.

 

Traumurlaub: Vieles kann schief gehen

Mängel können den Transport zum und vom Reiseort, die Unterkunft, die Verpflegung und/oder die vereinbarten Reiseleistungen (Animation, Safari usw.) betreffen.

In loser Folge sollen einige, in der Rechtsprechung entschiedene Fälle die rechtlichen Möglichkeiten des Reisegastes kurz skizzieren. Den Anfang machen hier Mängel der gebotenen Unterkunft, insbesondere des Hotelzimmers.

 

Klimatisierung

Hitze und Kälte, beides kann im Extrem bitter sein:

Das LG Düsseldorf gewährte für den Ausfall der Klimaanlage in einem südeuropäischen Land während der Sommerzeit eine Minderung des Reisepreises um 15 % (LG Düsseldorf, Urteil v 07.11.2003, 22 S 257/02).

Nicht schlecht gestaunt hat ein Reisegast, als bei einer gebuchten Sibirienreise weder die Heizung im Hotelzimmer noch die Warmwasserversorgung funktionierte. Das OLG Frankfurt gewährte eine Minderung von 35% (OLG Frankfurt a.M., Urteil v 10.02.1999, 16 U 210/97).

 

Zimmerausführung: Suite mit Hindernissen

Ein Ehepaar freute sich auf lauschige Abende auf dem angekündigten Zimmerbalkon, der aber leider nicht vorhanden war. 10% Minderung gestand das AG Duisburg zu (Urteil v 21.05.2003, 33 C 6013/02).

Eine Familie hatte ein Hotelzimmer mit 2 Schlafkammern gebucht. Vor Ort standen statt dessen 2 getrennte Doppelzimmer zur Verfügung. Dies war im Hinblick auf die Beaufsichtigung der beiden noch im Kindergartenalter befindlichen Kinder mit erheblichen Unannehmlichkeiten verbunden. Hierfür sah das OLG Celle (zusammen mit einigen weiteren Mängeln) eine Minderung von 55 % als gerechtfertigt an (OLG Celle, Urteil v 16.07.2003, 11 U 84/03). Ein fehlender Meerblick hätte nochmal 5 bis 10 % Minderung bedeutet.

 

Bei allen Mängeln ist grundsätzlich zu beachten:

  • Mängel sofort dokumentieren (Fotos, Zeugen).
  • Sofortige Meldung der Mängel an die Reiseleistung und Abhilfe verlangen.
  • Mängel innerhalb eines Monats nach vertraglichem Reiseende schriftlich geltend machen.

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