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Unfall nach Reifenwechsel in der Werkstatt: Schadensersatz wegen mangelhafter Sicherheitshinweise

Wurden in einer Autowerkstatt die Reifen gewechselt, ist diese verpflichtet, den Autofahrer deutlich darauf hinweisen, dass die Radschrauben neu aufgezogener Reifen nach 100 km nachgezogen werden müssen. Erfolgt dieser Hinweis nicht eindrücklich genug, ist die Werkstatt bei einem späteren Unfall zum Schadensersatz verpflichtet.

Bei einem Werkvertrag treffen den Werkunternehmer gegenüber dem Besteller neben der Hauptleistungspflicht auch noch Nebenpflichten aus Treu und Glauben. Unter anderem muss er ihn über wichtige Aspekte aufklären und darauf hinwirken, das der Besteller weiß, welche notwendigen Beteiligungsmaßnahmen ihn treffen, damit die Werkleistung im Interesse des bestellers gelingt.

 

Ohne es zu wissen einen heißen Reifen gefahren

Besonders wichtig ist die Einhaltung dieser Pflichten, wenn ein Misserfolg der Werkleistung mit Gefahren für den Besteller verbunden ist. Ein typischer Fall ist die Autoreperatur und die Verletzung einer Hinweispflicht, die einen Unfall verursachen kann.

 

Schock für jeden Autofahrer: Reifen auf der Autobahn verloren

Der Kläger ließ seine Reifen in einer Autowerkstatt wechseln. Nachdem er 1900 Kilometer gefahren war, löste sich während der Fahrt auf der Autobahn ein Reifen. Ihm entstand durch das nicht mehr beherrschbare Fahrzeug ein Sachschaden in Höhe von 4.000 EUR, welchen er von der Werkstatt ersetzt haben wollte.

 

LG Heidelberg: Fehlende Aufklärung über das Nachziehen der Schrauben

In der Berufungsinstanz hatte die Klage Erfolg. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Werkstatt den Fahrer nicht hinreichend darüber aufgeklärt hatte, dass die Radschrauben der neu aufgezogenen Winterreifen bereits nach 100 Kilometern nachgezogen werden müssten.

 

Hinweis auf Rechnung nicht ausreichend

Ebenfalls sei der Hinweispflicht nicht genüge getan, wenn die Werkstatt, wie im vorliegenden Fall geschehen, in der Rechnung unterhalb der Unterschriftenzeile und ohne besondere Kennung auf das Nachziehen der Schrauben hinweist. Dadurch das dies nicht geschah, wurde duerch eine Verletzung der Nebenpflichten aus dem Werkvertrag schuldhaft der Unfall mitverursacht.

Da der Kläger jedoch die Lockerung bemerkt haben müsste, erhielt er eine Mitschuld von 25 %, da er nicht rechtzeitig zur Werkstatt gefahren ist.

(LG Heidelberg, Urteil v. 27.07.2011, 1 S 9/10).

 

Schadensminderungspflicht bei Verkehrsunfällen und Reparatur in der Fachwerkstatt

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