04.03.2011 | Wirtschaftsrecht

Sittenwidrig: Ghostwriter für wissenschaftliche Arbeiten darf sich nicht Marktführer nennen

Ein Ghostwriter, der für Dritte Doktorarbeiten erstellt, darf nicht mit der Marktführerschaft werben, da diese Dienstleistung gegen die guten Sitten verstößt. Ein Mitbewerber hatte auf Unterlassung geklagt und vor dem OLG Düsseldorf Recht bekommen.

Das Thema ist aktuell und Qualität ist auch bei weniger seriösen Dienstleistungen wichtig – werben darf man damit jedoch nicht…

 

Doktorarbeit nur zur wissenschaftlichen Übung?

Die Parteien in vorliegendem Fall sind als wissenschaftliche Ghostwriter tätig und haben bereits eine Vielzahl wettbewerbsrechtliche Verfahren gegeneinander geführt. Der Antragsgegner warb auf seiner Homepage mit der Eigenschaft als Marktführer. Für das Erstellen einer Dissertation verlangte er zwischen 10.000 Euro und 20.000 Euro. Des Weiteren wies er auf seiner Internetseite darauf hin, dass sich das Angebot lediglich auf die Erstellung von wissenschaftlichen Übungszwecken beziehe und der erstellte Text nicht als eigene Prüfungsleistung bei einer Hochschule eingereicht werden dürfte.

 

Konkurrent: „Irreführende Spitzengruppenbehauptung“

Der Antragsteller verfasst wissenschaftliche Texte für Unternehmen, Unternehmensberatungen, Öffentliche Institutionen und auch für Privatpersonen, für die er beispielsweise die Erstellung eines Fachbuchs für einen Rechtsanwalt anführt.

Er vertritt die  Auffassung, dass der Antragsgegner weder nach dem Umfang seines Angebots noch nach seinen Umsätzen zur Spitzengruppe gehöre und daher nicht mit der Eigenschaft als Marktführer werben darf.

 

Ghostwriter bietet hauptsächlich verbotene Dienstleistungen an

Das Landgericht hatte zuvor den Unterlassungsantrag abgelehnt, dass OLG hob diese Entscheidung jedoch auf. Der Antragsgegner darf sich nicht Marktführer nennen, da sich sein Angebot auf einen Teilmarkt beschränke und jedenfalls gegen die guten Sitten verstoße.

 

Sittenwidrig trotz Hinweis auf Unterlassen illegaler Nutzung: nicht glaubwürdig

Daran ändere auch der Hinweis auf seiner Internetseite nichts, wonach die Leistungen nur zu Übungszwecken angeboten werden.

Dieser Hinweis dürfte von den Lesern der Internetseite nicht ernst genommen werden und auch nicht ernst gemeint sein, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Es sei lebensfremd, dass jemand 10.000 Euro  nur für einen Übungstext ausgeben würde.

Alle Beteiligten wüssten, dass die Arbeiten auch eingereicht werden. Das Gericht befasste sich jedoch nur mit dem Unterlassungsantrag, die Tätigkeit selbst war nicht Gegenstand der Klage.

(OLG Düsseldorf, Urteil v. 8.02.2011, I-20 U 116/10).

 

Hintergrund: Akademisches Ghostwriting ist ein großer, im Internet lebhaft beworbener Markt.

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