07.10.2013 | Anlageberatung

Schlechte Geldanlage-Empfehlung – Bank muss dennoch nicht haften

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Eine Bank drängt einen Kunden zum Umschichten im Depot. Die Empfehlungen erweisen sich als Fehlgriff. Doch der Anleger bleibt auf seinem Verlust sitzen.

Die Bank hatte dem Kunden im Mai 2008 geraten, seine Anteile am offenen Immobilienfonds „hausInvest europa“ zu verkaufen und dafür, wegen besserer Risiko- und Ertragsaussichten, Anteile an dem neu aufgelegten Dachfonds PMIA zu kaufen. Der Kunde folgte dieser Empfehlung. Ende Februar 2010 empfahl die Bank dem Anleger die Anteile an dem Dachfonds wieder zu verkaufen, weil die Entwicklung des Fonds hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Jetzt sollte er lieber eine Stufenzins-Anleihe erwerben. Dieser Empfehlung folgte der Anleger nicht.

Schließung des Fonds

Am 24. September 2010 riet ein Bankberater dem Kunden, die Anteile an dem Dachfonds zu  verkaufen, da eine Schließung des Fonds drohe. Die vom Kunden erteilte Verkaufsorder konnte jedoch wegen der Schließung des Fonds nicht mehr rechtzeitig ausgeführt werden.

Anleger trägt das Risiko

Der Anleger hat gegen seine Bank Schadensersatzansprüche wegen fehlerhafter Empfehlung der Umschichtung von Fondsanlagen geltend gemacht. Das OLG Schleswig-Holstein entschied gegen ihn. Begründung: Das Risiko, dass sich eine Anlageentscheidung im Nachhinein als falsch erweise, trage der Anleger. Die Bank muss zweifelsohne eine anlagegerechte Beratung erbringen. Sie muss zu allgemeinen Risiken (Konjunkturlage, Entwicklung der Börsen) und speziellen Risiken (Kurs-, Währungs, Zins- und Emittentenrisiko) aufklären.

Vertretbare Empfehlung

Entscheidend ist: Die Bewertung und Empfehlung eines Anlageobjekts muss unter Berücksichtigung der genannten Gegebenheiten lediglich zum Zeitpunkt der Empfehlung (ex ante) betrachtet vertretbar sein. Dass sich ein Markt oder ein Anlageprodukt anders entwickelt, als von der Bank erwartet, ist immer möglich. Bei den wechselnden Empfehlungen der Bank stellt sich auch die Frage, ob es der Bank nicht hauptsächlich darum ging, ihre Provisionen durch ein mehrmaliges Umschichten zu steigern. Das Landgericht hatte angesichts des Provisionsinteresses eine gesteigerte Aufklärungspflicht der Bank gesehen.

Keine weitergehenden Beratungspflichten

Der Kunde hätte aus Sicht des LG auch über die wirtschaftlichen Nachteile der Umschichtung aufgeklärt werden müssen, schließlich hätte der Tausch in den Dachfonds selbst bei einer Mehrrendite von 1 Prozent sich erst nach fünf Jahren in einem Mehrerlös bemerkbar gemacht.

Das OLG folgte dieser Auffassung nicht. Derartige Umschichtungen im Depot seien alltäglich. Weitergehende Beratungspflichten habe die Bank deshalb nicht.

(Schleswig-Holsteinisches OLG, Urteil v. 19,09.2013, 5 U 34/13).

Schlagworte zum Thema:  Anlageberatung, Dachfonds, Schadensersatz, Aufklärungspflicht, Bank, Depot

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