02.11.2012 | US-Wahlen

Sandy fegt den US-Wahlkampf durch

Bild: Haufe Online Redaktion

Es sind nur noch wenige Tage bis zur US-amerikanischen Präsidentschaftswahl. Da bringt der Hurrikan Sandy die Kandidaten kräftig ins Rotieren. Der Wahlkampf ist nun auf eine andere Ebene verlagert. Welchem Kandidaten nutzt das am meisten?

Offiziell haben die Kandidaten ihre Wahlkampftätigkeit eingestellt. Die Kontrahenten hat Sandy kalt erwischt. Die Angst vor dem „Split-Screen“ geht um. Auf der einen Bildschirmhälfte ein Kandidat mit platter Wahlkampfrhetorik, auf der anderen Hälfte Bilder von verwüsteten Stadtteilen New York`s. Da sieht jeder Kandidat wie ein begossener Pudel aus. Wie kann ein Kandidat in dieser Situation noch beim Wähler punkten?

Die Wahl soll sich alleine regeln

Für den Präsidenten selbst gibt es da nur ein Rezept: Entschlossen zupacken. Barack Hussein Obama übt sich in der Rolle des Katastrophenmanagers, des Übervaters der Nation. Mit präsidialer Tatkraft und Umsicht versucht er, das Land vor dem Schlimmsten zu bewahren und stellt sich schützend vor sein Volk. Dieses Bild könnte Stimmen bringen. Der Herausforderer Mitt Romney sammelt derweil Spenden für die Sturmopfer und tut dies – wie es der Zufall will – in einem der wichtigen „Swing-States“, in Ohio. Nach außen bleibt der Wahlkampf angeblich sich selbst überlassen - dank aufopferungsvoller Kandidaten. Tatsächlich hat sich das Wahlkampfgeschehen nur auf eine andere Ebene verlagert. Die Frage lautet jetzt: Wer ist der tatkräftigere  Katastrophenschützer?

Die Lage ist ernst

Angesichts der Geschehnisse wäre es aber zynisch, den beiden Kandidaten für ihr Engagement ausschließlich Wahlkampfinteressen zu unterstellen. Dafür ist die Lage zu ernst, sind die Bilder zu entsetzlich. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf ca. 50 angestiegen. Der südliche Teil von New York liegt in der letzten Oktobernacht noch völlig im Dunkeln. Nicht nur die Straßenlaternen sind ausgefallen, in keinem Haus brennt Licht. Hauptverkehrsknotenpunkte werden durch ein paar bengalische Fackeln gespenstisch erleuchtet. In überschwemmten Gebieten sind bereits Plünderungen im vollem Gange weiß „SPIEGEL ONLINE“. In Manhattan steht der Wasserpegel 1 Meter über der Rekordmarke von 1960. Die U-Bahnstationen stehen komplett unter Wasser. Bürgermeister Michael Bloomberg ist dennoch überzeugt, dass New York innerhalb von ein paar Tagen wieder voll geschäftstüchtig ist.

Sturmgefahr für Präsidenten

Dass solche Naturgewalten auch einen Präsidenten ins Wanken bringen können, musste Obama-Vorgänger George W. Bush im Jahre 2005 unter dem Wirbelsturm „Katrina“ schmerzhaft erfahren. Als damals in New Orleans die Dämme brachen, erlebte die Nation einen völlig überforderten, in seinen martialischen Gebärden geradezu weltfremd wirkenden Präsidenten. So zögerlich wie Bush seinerzeit sein Feriendomizil in Texas verlassen hatte, so gewaltig brachen Ansehens- und Autoritätsverlust anschließend über ihn herein. Solche gravierenden Fehler will natürlich jetzt keiner der Kandidaten machen.

Vorteil für Obama

Auch wenn es zynisch klingen mag - aber die Realität selbst ist manchmal zynisch -, für Präsident Obama könnte die Situation Vorteile bringen. Das Ganze erinnert fatal an das Elbhochwasser im Jahr 2002, das dem damaligen Kanzler, Krisenmanager und Macher Schröder wahrscheinlich zum Sieg bei der Bundestagswahl im gleichen Jahr verhalf. Schafft es Obama jetzt ebenfalls, sich als besonnener und dennoch tatkräftiger Krisenmanager in Szene zu setzen, so dürfte dies auch seinem Ansehen nutzen und damit die Zahl seiner Wähler erhöhen. Als Amtsinhaber hat er da wesentlich bessere Möglichkeiten als der Herausforderer. Vorteil also für Obama – falls er keine schwerwiegenden Fehler macht.

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