| Auslandskrankenversicherung

Notoperation in Deutschland: Streit um Flugkosten

Ist der Rücktransport medizinisch notwendig?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Eine Frau ist lebensgefährlich erkrankt. Weil sie in einem portugiesischen Krankenhaus nicht operiert wird, lässt sie sich nach Deutschland fliegen. Doch die Auslandskrankenversicherung will die Kosten nicht übernehmen. Ärztliche Behandlungsfehler seien nicht versichert.

Eine in Portugal arbeitende Frau hat starke Schmerzen im Unterleib. Ihr Arzt weist sie in ein Hospital an. Dort bekommt sie Antibiotika verabreicht, mit denen die stark erhöhte Konzentration von C-reaktiven Proteinen (CRP) bekämpft werden soll. Zudem stellen die Ärzte im Krankenhaus fest: Umfangreiche Flüssigkeitsansammlungen im Becken sowie Anzeichen einer Sepsis.

Ärzte weigern sich zu operieren

Die Frau wird am Abend des 23. August 2008 auf eine allgemeine Station aufgenommen. Ein notwendiger operativer Eingriff wird aber nicht vorgenommen. Daraufhin lässt sich die Frau am Morgen des 24. August per Flugzeug nach Düsseldorf und von dort aus in eine Klinik in Krefeld fliegen.

Um 17 Uhr wird sie notoperiert. Rund zwei Liter Eiter werden aus ihrem Becken abgesaugt. Die Frau, die zu diesem Zeitpunkt an einer schweren Bauchfellentzündung mit Sepsis sowie an beginnendem Multiorganversagen leidet, schwebte in unmittelbarer Lebensgefahr.

Krankenversicherung sieht keine medizinische Notwendigkeit des Transports

Von ihrer langfristigen Auslandskrankenversicherung verlangte die Frau die Erstattung der Kosten für den Transport nach Deutschland in Höhe von 21.518 Euro. Doch die Versicherung weigerte sich zu zahlen. Begründung: Eine medizinische Notwendigkeit des Rücktransports sei nicht gegeben gewesen. Das Risiko eines etwaigen ärztlichen Behandlungsfehlers sei nicht versichert.

Das OLG Hamm bestätigte den Anspruch der Frau gegen die Versicherung. Nach Auffassung des Gerichts war der Rücktransport medizinisch notwendig. Nach den Ausführungen des Gerichts kann eine Behandlung medizinisch notwendig sein, wenn der Erfolg der Behandlung nicht sicher vorhersehbar ist. Es genügt deshalb, wenn die medizinischen Befunde und Erkenntnisse es zum Zeitpunkt der Behandlung es vertretbar erscheinen lassen, die Behandlung als notwendig anzusehen

Gericht: Versicherte wollen Kostenrisiko eines Rücktransports absichern

Das Gericht wies darauf hin, dass der durchschnittliche Versicherungsnehmer mit einer Auslandskrankenversicherung in erster Linie das Kostenrisiko abdecken wolle, das bei einem erforderlichen Rücktransport in die Heimat entstehe.

Aus Sicht des Versicherungsnehmers macht es dabei keinen Unterschied, ob die erforderliche Behandlung im Ausland nicht durchgeführt werden kann oder die dortigen Ärzte nicht willens sind, eine an sich mögliche Behandlung durchzuführen.

Fazit: Die Versicherung muss die kompletten Kosten des Rücktransports übernehmen.

(OLG Hamm, Urteil v. 30.10.2015, 20 U 190/13).

Vgl. zu dem Thema auch:

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Schlagworte zum Thema:  Erkrankung, Krankenversicherung, Auslandskrankenversicherung, Krankenhaus, Behandlungsfehler, Flugzeug

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