| Hochwasserschaden - Gebäude oder Hausrat?

Versicherte können sich nicht auf Unkenntnis berufen

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Wann zahlt eine Wohngebäudeversicherung für einen Hochwasserschaden, wann eine Hausratversicherung? Versicherte sollten diese Fragen selbst beantworten können. Auf die Aufklärungspflicht des Versicherers können sie nicht hoffen.

Hochwasserschäden sind versicherbar. Doch gibt es nicht eine Absicherung für alle Schäden. Wer das nicht weiß, ist selber schuld, musste ein Geschädigter erfahren.

Heute bleibt die Küche kalt: Einbauküche vom Wasser ruiniert

Konkret ging es darum, dass ein Hochwasserschaden unter anderem die Einbauküche des Klägers ruiniert hatte. Der wollte von der Versicherung den Schaden ersetzt haben. Allerdings hatte er zum Zeitpunkt des Schadens nur eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen, die Elementarschäden einschloss, aber keine Hausratsversicherung.

Wohngebäudeversicherung zahlt nur für individuelle Einbaumöbel

Aus der Wohngebäudeversicherung konnte der Kläger keine Ansprüche für seine Standard-Einbauküche ableiten. Denn nach den geltenden Versicherungsbedingungen (§ 1 Ziff. 2. a) VGB 2000 – Fassung 2003) umfasste der Versicherungsschutz nur Einbaumöbel/-küchen, die individuell für das Gebäude raumspezifisch geplant und gefertigt sind.

Der Kläger argumentiert, der Versicherer sei seiner Beratungs- und Aufklärungspflicht nicht nachgekommen. Im Gespräch mit dem Versicherungsvertreter habe er explizit darauf hingewiesen, dass er das Objekt, das er von seiner Mutter übernommen hatte, komplett auf die neue Eigentümerstruktur hin umversichern wolle. Der Vertreter habe ihn nicht darauf hingewiesen, dass es bei einer Hausratversicherung möglich sei, Elementarschäden wie z.B. Hochwasser mit abzusichern. Einem derartigen Rat wäre er selbstverständlich gefolgt.

Gericht erwartet auch von Laien Versicherungskenntnisse

Das Gericht sah das anders. Auch Laien in der Sachversicherung müsse bekannt sein, dass eine Wohngebäudeversicherung den Hausrat nicht umfasst. Der Versicherer, respektive der Versicherungsvertreter schulde nicht stets und in allen Fällen Aufklärung und Beratung. Grundsätzlich sei es Aufgabe des Versicherungsnehmers, sich in eigener Verantwortung über die zu versichernden Risiken klar zu werden.

Versicherung hat keine Aufklärungspflicht

Einen konkreten Wunsch des Versicherungsnehmers nach weitergehender Beratung sah das Gericht in der Anforderung des Klägers an eine komplette Umversicherung nicht. Das Gericht geht zudem davon aus, dass von einem Versicherer eine Aufklärung und Beratung verlangt werden könne, wenn sich ein konkretes Bedürfnis hierfür offenbart, welches auch nach der Konzeption der §§ 6 Abs. 1 , 61 Abs. 1 VVG n.F. eine Aufklärungs- und Beratungspflicht auslöst. Ein solches Bedürfnis bestehe immer dann, wenn

  • der Versicherungsnehmer sich falsche Vorstellungen über den abzuschließenden Vertrag macht,
  • wegen der Komplexität der Materie mit Missverständnissen und Irrtümern des Versicherungsnehmers zu rechnen ist,
  • das zu versichernde Risiko von dem ins Auge gefassten Versicherungsschutz nicht vollständig erfasst wird (BGH, Urteil v. 9.10.1974, IV ZR 118/73).

Hiervon könne im Streitfall nicht ausgegangen werden. Der Kläger blieb demzufolge auf seinem Schaden sitzen.

(OLG Saarbrücken, Urteil v. 19.10.2011, 5 U 71/11 – 14)

 

Vgl. auch:

Nasse Wand in der Duschecke – muss die Versicherung zahlen?

Überschwemmter Keller – wann die Versicherung nicht zahlen muss

Schlagworte zum Thema:  Hausratversicherung, Versicherungsschutz, Wohngebäudeversicherung, Obliegenheit

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