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Elementarschäden: Keine Versicherungsleistungen bei überflutetem Lichtschacht

Ein Versicherungsnehmer im Keller mit mächtig nassen Füße, ist das schon eine Überschwmmung? Gericht und Versicherung sahen Wasser, aber keinen Elementarschaden: Staut sich Niederschlagswasser aufgrund heftigen Gewitters im einem Lichtschacht und durchfeuchtet den Keller, ist das noch keine Überschwemmung im Sinne der Versicherungsbedingungen.

Falsches Wasser?  Nur Ausuferung + Witterungsniederschlag versichert

Der Kläger hat bei der beklagten Versicherung eine Wohngebäudeversicherung, welche Elementarschäden umfasst, abgeschlossen. Nach den Versicherungsbedingungen handelt es sich begrifflich nur um eine Überschwemmung, wenn das Versicherungsgrundstück

  • entweder durch Ausuferung von oberirdischem (stehenden oder fließenden) Binnengewässer
  • oder durch Witterungsniederschläge überflutet wird. 

 

Nach starkem Regen: Lichtschacht vor dem Kellerfenster lief voll

Im Juni 2008 kam es zu einem heftigen Gewitter mit Starkregen, welches zur Folge hatte, dass das Niederschlagswasser in einen vom Kläger als Wohnraum genutzten Kellerraum eingedrungen war und dort einen Schaden in Höhe von mehr als 6.600 EUR verursachte.

Der Schaden war nach Ansicht des Klägers dadurch entstanden,

  • dass sich im Lichtschacht vor dem Kellerfenster das Niederschlagswasser angesammelt hätte
  • und das angestaute Wasser sodann durch eine Bauanschlussfuge eingedrungen wäre,
  • wobei die Innenwand und der Bodenbelag des Kellers durchfeuchtet worden sei.

 

Streitpunkt: Wann liegt eine Überschwemmung vor?

Der Versicherte hält seine Versicherung für eintrittspflichtig, da der Schadensfall durch eine Überschwemmung, nämlich eine Wasseransammlung auf einem Teil des versicherten Grundstücks verursacht worden sei.

Die Versicherung hielt dem entgegen, dass der Begriff der Überschwemmung voraussetze,

  • dass erhebliche Wassermengen
  • erhebliche Teile des versicherten Grundstücks
  • so unter Wasser gesetzt haben,
  • dass dieses nicht mehr erdgebunden sind.

An dieser Voraussetzung fehle es jedoch hier.

 

Kleine Sintflut erforderlich? Allgemeiner Sprachgebrauch entscheidend

Auch das OLG Karlsruhe war dieser Ansicht und wies die Klage des gefluteten Versicherungsnehmers  ab.

Nach der Auffassung des Gerichts kommt es bei der Auslegung des Begriffs „Überschwemmung“ auf das Verständnis des durchschnittlichen Versicherungsnehmers an, der sich am Wortlaut der Klausel und an deren Sinn und Zweck orientiert.

Dieser wird erkennen, dass nicht jegliche durch Wasser verursachte Schäden abgesichert sind, sondern lediglich elementare Schadensereignisse in Form einer Überflutung des versicherten Grundstücks.

 

Überschwemmung, wenn Wasser sonst trocken liegende Bodenfläche bedeckt

Nach dem Verständnis eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers liege dann eine Überschwemmung vor, wenn eine normalerweise trocken liegende Bodenfläche von Wasser bedeckt sei.

 

Schaden durch unzureichende Entwässerung verursacht

Eine Anstauung von Wassermassen auf Flachdächer, Terrassen oder Balkonen aufgrund mangelnder Entwässerung sei davon nicht mit umfasst. Dabei handle es sich vielmehr um das Ergebnis einer unzureichenden Errichtung oder Unterhaltung des Gebäudes, für welches der durchschnittliche Versicherungsnehmer keinen Deckungsschutz aus der Elementarversicherung erwartet.

(OLG Karlsruhe, Urteil v. 20.09.2011, 12 U 92/11).

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